ï»ż Katzendiabetes, Katzendiabetologie

ï»ż

Wie sinnvoll ist ein gutes Schmerzmanagement in der Tiermedizin?

Eines vorab: Wir wissen, dass die Katze oben auf dem Foto gĂ€hnt und nicht wie ein Löwe brĂŒllt... allein die Assoziation war zu verlockend... :-)

Zum Thema: Die veraltete Ansicht, dass man Tieren nach Operationen oder bei Verletzungen (z.B. an Gelenken oder WirbelsÀule) keine oder nur eine verringerte Dosis Schmerzmittel verabreichen darf, wird auch heute noch von manchem Tierarzt vertreten. Denn, so die Argumentation, wenn man Tieren eine adÀquate Dosis Analgetika gibt, bewegen sich diese zu viel, die Wunden platzen wieder auf und die Heilung wird verzögert.

Diese Aussage entstammt jedoch einem lÀngst veraltetem medizinischen veralteten Wissenstand und gilt heute sogar als tierschutzrelevant!

Zur ErklĂ€rung: Es gibt zwei Arten von Nervenfasern - schnell und langsam leitende. Die schnell leitenden Nevenfasern haben einen dickeren Durchmesser und sind von sogenannten "Myelinscheiden", einer isolierenden Ummantelung, umgeben. Diese Myelinscheiden werden in kurzen AbstĂ€nden jedoch immer wieder unterbrochen. Sie gleichen somit im Aussehen Perlen, die in bestimmten AbstĂ€nden auf einer Schnur aufgefĂ€delt sind. Ein Schmerzimpuls muss nun jeweils von Abstand zu Abstand springen - und "hĂŒpft" damit schneller, als wenn er "normal" in den dĂŒnneren, langsameren Nervenfasern geleitet wird, denen die Myelinscheiden fehlen.

Jeder kann die beiden Schmerzarten, die dadurch entstehen, auch selbst unterscheiden. Der schnell geleitete Schmerz ist der, der in Sekundenbruchteilen wie ein Blitz im Gehirn einschlĂ€gt, wenn man sich z.B. verbrennt, schneidet oder nach einer OP unvorsichtig bewegt. Der langsam geleitete Schmerz ist der, der nach Verletzungen zum Brennen oder Pochen des gesamten Wundgebietes fĂŒhrt, also lokal auch nicht mehr so exakt begrenzt zu orten ist. Wenn ein Patient nach der Operation ruhig liegen bleibt, spĂŒrt er in der Regel nur den langsamen Schmerz - die Wunde tut weh, pocht und brennt. Auch wenn sich der Patient absolut ruhig verhĂ€lt, kann er diesen Schmerzen nicht entgehen, sie lassen ihm keine Ruhe und hindern ihn sogar am nĂ€chtlichen Schlaf.
Ein schönes Beispiel sind auch Zahnschmerzen. Die ganze Backe pocht... langsamer Schmerz. Ein versehentlicher Biss auf den kaputten Zahn... schneller Schmerz, der wie eine Explosion im Gehirn, jedes Pochen an IntensitĂ€t weit ĂŒbertrifft.

Schmerzmittel aller Art können aber immer nur den langsam geleiteten Schmerz ausschalten. D. h. sie sorgen dafĂŒr, dass die Wunde nicht mehr brennt und pocht, dass sich der Patient (egal ob Tier oder Mensch) ohne Schmerzen hinlegen kann, solange er sich ruhig verhĂ€lt und sich nur vorsichtig bewegt. Sie ermöglichen zumindest einen einigermaßen ruhigen Schlaf, der fĂŒr eine schnelle Rekonvaleszenz sehr wichtig ist. Bewegt sich der Patient aber ungeschickt oder auch nur zu schnell, kann das beste Schmerzmittel ihm die "Explosion im Gehirn", den schnellen Schmerz, nicht ersparen.

Eine gute Analgesie, ist daher nicht weniger wichtig als eine ordnungsgemĂ€ĂŸe Wundversorgung und Pflege des Patienten. LĂ€ngst ist erwiesen, dass bei schmerzfreien Patienten weniger Wundheilungsstörungen auftreten. Denn gerade Tiere beginnen sonst oft VerbĂ€nde zu entfernen, die brennenden Wunden zu belecken und anzuknabbern und sorgen damit immer wieder fĂŒr neue Keimeintragungen und Infektionen. Eine adĂ€quate Analgesie ist in der modernen Medizin Bestandteil jeder guten Behandlung - völlig egal ob bei Tier oder Mensch!

Auch hierfĂŒr gibt es den praktischen Test: Suchen Sie beim nĂ€chsten Zahnschmerz bitte keinen Zahnarzt auf sondern nehmen Sie ein möglichst starkes Schmerzmittel ein... und versuchen Sie dann mit dem betreffenden Zahn eine Haselnuss aufzubeißen... :-)

Und: Wenn diese alte, oben geschilderte Theorie recht hĂ€tte, dĂŒrften z.B. auch Kinder oder Demente keine Schmerzmittel erhalten. Das aber stand in der der Humanmedizin niemals zur Debatte...

Letzte Änderung am 15.10.2016

ï»ż
Holen Sie sich eine Zweitmeinung
ganz bequem per Telefon - egal wo Sie wohnen. Mehr...
Langzeitbetreuung, Hilfe auch am Wochenende oder Feiertag
Blutzuckerwerte fragen nicht nach Uhrzeit oder Datum. Wir lassen Sie im Notfall nicht allein. Mehr...
Die Sprechzeiten
unserer Praxis (außerhalb von NotfĂ€llen) sowie alle Kontaktdaten finden Sie hier.



Hinweis zum Datenschutz Impressum/Disclaimer