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Kunterbunte Selbsthilfe-Szene
Insulineinstellung durch Laien
Auch finanzielle Aspekte sind unerheblich
Laien-Spezialisten" haften für ihre Aussagen
Katzendiabetes.info distanziert sich von allen Selbsthilfegruppen, die Insulineinstellungen anbieten

Wie unsere Kunden uns beurteilen lesen Sie hier



Kunterbunte Selbsthilfe-Szene

Im Netz gibt es viele Selbsthilfegruppen für diabetischen Katzen. Dort können sich Betroffene über Ihre Erfahrungen, Sorgen oder praktische Belange, wie z.B. Futter, Haltungsbedingungen oder Materialien austauschen.

Hauptsächlich aber widmen sich diese Gruppen der Insulineinstellung diabetischer Katzen. Das Angebot dazu wird auch ganz offen kommuniziert. So kann man sinngemäß lesen: "Deinen Tierarzt brauchst du nur für Blutbild, Röntgen, andere Erkrankungen und das Insulin. Sobald du dieses hast, machen wir hier zusammen mit dir die Einstellung. Wir haben hier viele erfahrende Mitglieder. Uns kannst du vertrauen. Wenn dein Tierarzt offen für Hinweise ist, kann er von uns gerne noch etwas lernen :-)" (Ähnlich lautende Zitate liegen hier vor und sind keine Ausnahme.)

In manchen Gruppen geschieht die Einstellung für jedermann sichtbar, mittels Einstellungstabellen. In anderen wird die Insulindosierung durch spezielle "Berater", die dem Neuling zugeteilt werden, auf einer nicht von außen sichtbaren Ebene bestimmt. Zudem rivalisieren verschiedenen Gruppen miteinander und werben sich gegenseitig neue User ab. Das geschieht meist durch private Nachrichten, in denen "bessere" Therapiekonzepte offeriert werden. Und wieder andere "Experten" beraten privat - ohne Anschluss an eine Gruppe. Es herrscht ein regelrechter Wildwuchs von "Laien-Spezialisten" und "Helfen" im tiermedizinischen Diabetessektor, die sich, häufig in überheblicher Art, auch ohne Medizinstudium zum "Hobby-Arzt" berufen fühlen. Für Tierhalter, die zum ersten mal mit dem Thema Katzendiabetes konfrontiert wurden, ist hier schwer zu unterscheiden. Ob sie am Ende in den für Patienten nicht ungefährlichen Tight-Regulation-Szene landen oder einfach nur bei jemanden, der sein Können überschätzt oder aber Glück haben, hängt von vielen Zufällen ab.


Insulineinstellung durch Laien

Manche Gruppen warnen deshalb inzwischen vor "falschen Beratern" - leider ohne dabei zu berücksichtigen, dass auch die eigenen "Spezialisten" in einem Graubereich agieren, der in seiner Nische von offizieller Seite bisher unentdeckt blieb.

Ein humanmedizinisches Forum, welches der juristischen Seite offensichtlich mehr Beachtung schenkt, stellt aus diesem Grunde allen Forennutzern einen Artikel des Rechtsanwaltes Oliver Ebert zur Verfügung. Dieser bezieht sich dementsprechend nur auf humanmedizinischen Belange.

Zitat aus dem verlinkten Artikel:

"... Zum Beispiel dürfen Laien keine Beratungstätigkeit vornehmen, die durch Gesetz ausschließlich Ärzten oder Anwälten vorbehalten sind. Wer Diagnosen stellt oder gar medizinische "Behandlungen" durchführt, ohne Arzt zu sein, der ist recht schnell in einer Haftung. Problematisch sind daher vor allem vermeintlich gut gemeinte Ratschläge, eine vom Arzt verordnete Medikamentendosis, Insulinmenge oder den vorhandenen Spritzplan eigenmächtig abzuändern."

"Selbstverständlich kann allgemein über Therapiemöglichkeiten wie auch individuelle Erfahrungen berichtet und informiert werden. Nicht zulässig ist es, konkrete Diagnosen zu stellen oder zu vermuten bzw. Behandlungen vorzuschlagen. Tipps wie "Spritzen Sie doch morgens 2 Einheiten mehr!", "Nehmen Sie zusätzlich doch folgendes Medikament..." oder "Sie sollten dringend auf Insulintherapie umsteigen!" mögen im Einzelfall richtig und zutreffend sein – im Rahmen einer von medizinischen Laien angebotenen Beratung haben sie aber nichts verloren! Werden also regelmäßig Beratungssprechstunden oder Telefonberatungen angeboten, so sollten dort in keinem Fall konkrete medizinische Fragestellungen behandelt werden."


Auch finanzielle Aspekte sind unerheblich

Selbst die Tatsache, dass Selbsthilfegruppen für Ihre Unterstützung kein Honorar fordern, ändert nichts an der Rechtswidrigkeit solcher Angebote.

Zitat:

"Es ist einleuchtend, dass die Bevölkerung vor Quacksalbern und selbst ernannten Heilern geschützt werden muss. Aus diesem Grund ist es gesetzlich verboten, die "Heilkunde" berufsmäßig auszuüben, ohne im Besitz einer hierfür erforderlichen Zulassung zu sein. Unter Heilkunde versteht man jede "Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen". Hier ergibt sich ein mögliches Haftungsproblem: Eine berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ist nämlich bereits dann anzunehmen, wenn entsprechende Maßnahmen ständig und in gleicher Art und Weise wiederholt ausgeführt und dadurch zu einer – wenn auch nicht notwendig dauernden – wiederkehrenden Beschäftigung gemacht werden. Die Beurteilung, ob eine berufsmäßige und damit erlaubnispflichtige Ausübung der Heilkunde vorliegt, hängt also nicht von finanziellen Aspekten ab!


"Laien-Spezialisten" haften für ihre Aussagen

Ein weiteres Problem kann sich für die zahlreichen, im Netz tätigen "Berater" ergeben, die z.T. sogar eigenen Plattformen für interne Besprechungen betreiben. Denn nicht selten werden diese "Spezialisten" neuen Mitgliedern empfohlen: "Ich hab die Einstellung auch mit XYZ gemacht. Sie hat mich super beraten. Frag doch mal, ob sie gerade Zeit für dich hat." Oder: "Bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung solltest du XYZ fragen. Die kennt sich hier am besten mit diesem Problem aus."

Auch hierzu zitiere ich aus dem oben verlinkten Artikel:

"Eine Haftung auch bei unentgeltlicher Beratung wird ebenfalls angenommen, wenn der Auskunftgeber ein „überlegenes Sachwissen“ hat oder eine überragende Vertrauensstellung genießt. Hier muss man nämlich grundsätzlich damit rechnen, dass der Ratsuchende womöglich vorbehaltlos auf die erhaltenen Angaben vertraut. Problematisch wird dies vor allem bei finanziellen Fragen: So haben Gerichte schon entschieden, dass beispielsweise im Bereich der Aktien- oder Anlageempfehlung auch bei kostenlosen Ratschlägen unter Umständen eine Haftung begründet werden kann. Überträgt man das auf Selbsthilfegruppen, so könnte dort zumindest dann ein Haftungsrisiko bestehen, wenn im Rahmen einer öffentlichen "Sprechstunde" oder über ein Beratungstelefon Auskünfte erteilt werden. Hier werden die Betroffenen nämlich selbstverständlich davon ausgehen, dass die Auskunft aus kompetentem Mund erfolgt und auch richtig sein wird."


"Katzendiabetes.info distanziert sich von allen Selbsthilfegruppen, die Insulineinstellungen anbieten

Aber auch für mich persönlich beinhalten diese Selbsthilfegruppen ein Problem. Ich zitiere erneut:

„Schließlich müssen auch die "empfohlenen" Ärzte damit rechnen, dass sie von Kollegen angegangen werden mit dem Vorwurf, sie haben eine unzulässige Werbung (durch die Selbsthilfegruppe) ausgenutzt, geduldet oder gefördert."

Von einem Kollegen wurde mir bereits vorgeworfen, "meine eigene Fan-Gemeinde im Internet heranzuzüchten".

Zudem kursieren Mitschriften von Beratungen durch meine Person, welche grobe, für Mediziner unverständliche, inhaltliche Fehler aufweisen. Diese fachlich falschen Aussagen, die auf Nachfrage von Kollegen angeblich von mir so getätigt wurden, sind für mich nicht nur peinlich, sondern werden in der Gruppe auch noch vervielfältigt und gegen jede Vernunft in langen Threads verteidigt.

Ich distanziere mich deshalb hiermit ausdrücklich von allen Selbsthilfegruppen, die Insulineinstellungen vornehmen. Ich habe weder auf die Beratungsqualität oder die Auswahl der "Spezialisten, Berater und Helfer" einen Einfluss. Das gilt erst recht für die Interpretation der Blutzuckerwerte während einer Einstellung.

Prüfen Sie also gut, von wem Sie sich beraten lassen.
Oder um es mit Vince Ebert zu sagen: "Denken Sie selbst! Sonst tun es andere für Sie."

Martina Menz


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