ï»ż Katzendiabetes, Katzendiabetologie

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Welche Spritzen passen zum jeweiligen Insulin?
Kann ich mit dem Pen spritzen?
Wohin muss ich meine Katze spritzen?
Wie sieht die Spritztechnik genau aus?
Was wenn ich nicht sicher bin, ob ich daneben gespritzt habe?
Kann ich die Spritzen mehrmals verwenden?
Warum werden keine oralen Antidiabetika (Tabletten) verwendet?




Welche Spritzen passen zum jeweiligen Insulin?

Es gibt zwei Konzentrationen von Insulin: 40er und 100er. Zu jeder Konzentration gibt es die passenden Spritzen. Dabei ist 1 IE eines 100er-Insulins exakt 2,5 Mal so stark wie die eines 40er Insulins (40 x 2,5 = 100). Deshalb ist es wichtig, die Spritzen nur zum passenden Insulin zu verwenden...

Mit einer Ausnahme: Wenn Sie ein 40er Insulin benutzen, also Caninsulin oder ProZinc, ist es sogar von Vorteil, die "falschen" 100er-Spritzen zu verwenden. Denn durch diese lÀsst sich das 40er-Insulin um den Faktor 2,5 genauer dosieren:

Oben: 1 IE Caninsulin in der 100er Insulinspritze.
Unten: 1 IE Caninsulin in der 40er-Insulinspritze.
Beide FlĂŒssigkeitsmengen auf einem Papier neben der jeweiligen Spritze. Die FlĂŒssigkeitsmenge ist gleich groß.

Bei einem 100er Insulin hat man leider keine Möglichkeit, um den Faktor 2,5 genauer zu dosieren. Hier muss man sich anderer Hilfsmittel bedienen.

Micro-Fine + demi Spritzen: Die Verpackung... ...und die beiligende Gebrauchsanweisung.

Emfpehlenswert sind ausschließlich die BD Mico-Fine plus Demi Spritzen mit einem Fassungsvermögen von 0,3 ml (PZN: 4144150).
40er-Insulin (Caninsulin und ProZinc) mĂŒssen hier mit dem Faktor 2,5 multipliziert werden (z.B. 1 IE --> 2,5 IE).
100er-Insulin (Lantus und Levemir) werden eins zu eins aufgezogen (1 IE --> 1 IE).
Wichtig: Benutzen Sie niemals(!) eine 40er Spritze (rote Kappe) fĂŒr ein 100er Insulin! Eine 2 Âœ-fache Überdosierung wĂ€re hier die Folge!



Kann ich mit dem Pen spritzen?

Die fĂŒr die Humanmedizin verwendeten Pens und auch die neuen Caninsulin-Injektionssysteme sind fĂŒr Katzen leider nicht geeignet. Bei vielen Modellen sind nur Erhöhungsschritte um ganze Einheiten möglich - was fĂŒr die Einstellung einer Katze fatal wĂ€re (siehe: Wie schnell und oft darf die Insulindosis erhöht oder erniedrigt werden?).

Das Modell fĂŒr Caninsulin lĂ€ĂŸt sich sogar um 0,1 IE verstellen, gibt aber als kleinste Menge nur 0,5 IE ab. Viele Katzen benötigen jedoch eine kleinere Menge als 0,5 IE.

Auch „tröpfeln“ einige Pens noch nach, weshalb sie nach der Injektion noch ein paar Sekunden in der Haut gelassen werden sollen.

Insulinspritze: Ganz feine Nadeln machen die Injektion auch fĂŒr AnfĂ€nger einfach.

Alles in allem eine zu ungenaue und damit leider unbrauchbare Injektionsmethode fĂŒr die Katze.

Da ein Pen ohnehin nur dazu dient, den Patienten bzw. deren Angehörigen die anfĂ€ngliche Angst vor der Nadel zu nehmen, ist das jedoch kaum ein Verlust. Denn die Insulininjektion geschieht in jedem Falle mit sehr feinen und kurzen Nadeln und ist auch fĂŒr AnfĂ€nger schnell zu meistern.


Wohin muss ich meine Katze spritzen?

Spritzen Sie Ihre Katze bitte grundsĂ€tzlich nur in die Flanken, genauer gesagt zwischen Ellenbogen und Kniegelenk - mindestens jedoch 3 cm von der WirbelsĂ€ule entfernt. Man kann die Injektionsstellen auch mit der Sattellage beim Pferd vergleichen - natĂŒrlich mit Ausnahme der WirbelsĂ€ule.

Injektionen jeder Art (also auch Infusionen, Impfungen oder sonstige Medikamente) sollten grundsĂ€tzlich niemals den Nacken und den Bereich zwischen den SchulterblĂ€ttern erfolgen. Diese Art der Injektion gilt in Fachkreisen als veraltet und gefĂ€hrlich und wird deshalb seit Jahrzehnten nicht mehr empfohlen. Selbst in den Lehrveranstaltungen an der UniverstiĂ€t wird inzwischen vor dieser Injektionstechnik gewarnt. Sollte Ihr Tierarzt noch in den Nacken oder zwischen die SchulterblĂ€tter spritzen, sagen Sie ihm bitte, dass Sie dies nicht lĂ€nger wĂŒnschen.

Die geeignete Injektionsstelle ist grĂŒn unterlegt. Sie befindet sich zwischen dem Ellbogen- (roter Punkt) und dem Kniegelenk (blauer Punkt) mit einem Abstand von 3 cm beidseitig zur WirbelsĂ€ule.

Diese strikte Empfehlung hat ihren Grund in einem bei Katzen vorkommenden bösartigen Bindegewebs-Krebs, Fibrosarkom genannt. Vor allen Dingen bestimmte Impfungen stehen im Verdacht, Fibrosarkome auslösen zu können. Theoretisch kann jedoch jede Injektion zu einem Fibrosarkom fĂŒhren, denn diese entstehen durch minimale EntzĂŒndungen, die jeder Injektion folgen können. Fibrosarkome wachsen meist sehr schnell und bilden schon frĂŒh Metastasen in anderen Organen, bevorzugt in der Lunge. Die einzige Chance auf LebensverlĂ€ngerung (manchmal auch Heilung) besteht hier in einer großflĂ€chigen Operation, bei der der Chirurg mindestens 3 cm im Gesunden schneiden sollte. Das bedeutet, dass selbst bei einem nur 1 cm großem Tumor, ein 7 cm großes Operationsgebiet entsteht (3 cm rechts + 1 cm Tumor + 3 cm links). Auch in die Tiefe muss ein Mindestabstand gewahrt werden, der mind. zwei zusĂ€tzliche Gewebeschichten umfaßt. Bildet sich ein Fibrosarkom im Nacken oder zwischen den SchulterblĂ€ttern, liegt es direkt an der WirbelsĂ€ule. Eine ausreichend radikale Operation ist bei diesen Lokalisationen nicht möglich, sonst wĂ€re der Patient ab dem Hals querschnittsgelĂ€hmt.

Das Wissen um Fibrosarkome darf nun aber keinesfalls dazu fĂŒhren, dass Sie auf die fĂŒr Diabetiker lebensnotwendigen Insulininjektionen verzichten. Hier muss man den Schaden gegen den Nutzen aufrechnen. Ein Fibrosarkom entsteht, gerechnet an der HĂ€ufigkeit von Injektionen, zum GlĂŒck nur selten. Ein Diabetiker, dem das Insulin vorenthalten wird, stirbt immer!

Spritzen in den Nacken sind gefÀhrlich. Es gibt niemals einen medizinischen Grund, in den Nacken bzw. zwischen die SchulterblÀtter zu injizieren oder infundieren.
Gespritzt wird ausschließlich an den seitlichen Flanken - immer mindestens 3 cm von der WirbelsĂ€ule entfernt.



Wie sieht die Spritztechnik genau aus?

Ziehen Sie zuerst das Insulin blasenfrei(!) in der Insulinspritze auf. Hierzu hilft es, die Spritze ggfs. mehrmals ca. halb voll aufzuziehen und zĂŒgig wieder zu entleeren, um sie gleich darauf erneut aufzuziehen. Die Anzahl der BlĂ€schen reduziert sich so von Mal zu Mal.
Manchmal kann es helfen die gewĂŒnschte Menge nicht aufzuziehen, sondern "auszudrĂŒcken". D.h. Sie ziehen zuerst eine beliebige grĂ¶ĂŸer Menge Insulin auf und drĂŒcken dann die ĂŒberschĂŒssige Menge vorsichtig wieder heraus. Auf diese Weise lĂ€sst sich besser kontrollieren, dass wirklich keine Blasen mehr vorhanden sind.

Legen Sie die Spritze anschießend niemals ohne Kappe auf den Tisch oder Boden. Die Nadel ist steril und sollte es auch bleiben.

Bilden Sie nun eine Hautfalte an der Flanke der Katze. Bei adipösen, rellativ "prallen" Patienten geht das unter UmstĂ€nden nicht ganz so leicht. Nehmen Sie dazu die Haut zwischen Daumen und Mittelfinger. Den Zeigefinger brauchen Sie anschließend, um ihn lĂ€ngs in die Falte zu drĂŒcken. So entsteht eine ypsilonförmige Falte. Der Zeigefinger liegt dabei im oberen Winkel des Ypsilons - also zwischen den beiden kurzen Schenkeln.

Lassen Sie nun den Zeigefinger wieder los und setzen Sie die Spritze körpernah und parallel in die vom Finger hinterlassene Vertiefung.

Stechen Sie die Nadel schnell und ruckartig durch die Haut. Langsames, zögerliches Stechen oder Bohren ist schmerzhaft. Eine ordnungsgemĂ€ĂŸ durchgefĂŒhrte Injektion wird von den meisten Katzen hingegen gar nicht wahrgenommen.

Normalerweise "aspiriert" man zur Sicherheit. D.h. der Spritzenkolben wird sanft zurĂŒckgezogen. Durch das Vakuum unter der Haut geht dies nur schwer oder er schnellt wieder nach vorn. HĂ€tte man die Haut zwei Mal perforiert und die Nadelspitze befĂ€nde sich wieder außerhalb des Körpers, gĂ€be es kein Vakuum. Das ZurĂŒckziehen des Kolbens ginge sehr leicht und Luft wĂŒrde in die Spritze strömen. Bei Insulinspritzen und deren geringen Inhalt funktioniert diese Methode aber kaum. Man kann sich behelfen, indem man die Nadelspitze zu ertasten versucht. Diese darf nicht dirket sondern nur unter der Haut fĂŒhlbar sein.

Ist die Spritze richtig platziert, drĂŒcken Sie bitte den Kolben bis zum Anschlag nach unten.

Wichtig: Halten Sie bei jeder Injektion den Kolben unbedingt so lange gedrĂŒckt, bis alles Insulin injiziert ist und Sie die Nadel wieder aus der Haut entfernt haben. Nur so ist sicher, dass auch der letzte Rest, hier "Touch" benannt, mit injiziert wird und es nicht zu ungewollten Dosisschwankungen kommt.



Was wenn ich nicht sicher bin, ob ich daneben gespritzt habe?

In einem solchen Fall spritzen Sie bitte niemals nach. Auch wenn Sie meinen, nur einen Teil injiziert zu haben - keine zweite Teil-Injektion! Denn fĂŒr den Fall, dass Sie sich irren, könnte es zur Überdosierung kommen. Einen Tag zu hohe Werte sind unangenehm, aber i.d.R. relativ ungefĂ€hrlich. Ein Tag mit zu niedrigen Werten kann im schlimmsten Falle zur HypoglykĂ€mie und zum Tode fĂŒhren! Versuchen Sie die nĂ€chste Insulinspritze wieder korrekt zu verabreichen.
Leidet der Patient unter zu hohen Ketonkörpern, warten Sie bitte ab, ob sich diese vier Stunden nach der Injektion weiterhin erhöhen. Nur in diesem Fall und nur wenn der Blutzucker datrÀglich verabreichen.


Kann ich die Spritzen mehrmals verwenden?

HierĂŒber herrscht auch in der Humanmedizin z. T. Uneinigkeit. Einige Ärzte tolerieren das, andere sind strikt dagegen. Eines aber unterscheidet hier Human- und Tiermedizin: In der Humanmedizin hat der Mensch allein die Konsequenzen seines Handelns zu tragen. In der Tiermedizin jedoch kann sich der Patient leider nicht selbst entscheiden... trotzdem hat nur er allein im im Ernstfall die Folgen zu tragen.

Da es neben dem einzigen Vorteil der finanziellen Ersparnis nur Nachteile bei dieser Verfahrensweise gibt, raten wir unseren Kunden generell davon ab. Die GrĂŒnde hierfĂŒr sind:

Spritzen Sie nicht nach, wenn Sie unsicher sind, ob die Injektion daneben gegangen ist - es sei denn, der Patient leidet unter zu hohen Ketonkörpern, die in den folgenden Stunden weiter ansteigen.

Nutzen Sie jede Spritze prinzipiell nur ein einziges Mal(!) - so wie vom Hersteller empfohlen.



Warum werden keine oralen Antidiabetika (Tabletten) verwendet?

Es gibt derzeit fĂŒnf Klassen von oralen Antidiabetika fĂŒr den Menschen. Letztlich zeigte nur eine Klasse zweifelhafte Erfolge bei Katzen, die Sulfonylharnstoffe. Hierzu muss die Katze aber noch ĂŒber eine gewisse Anzahl von funktionstĂŒchtigen Beta-Zellen in der BauchspeicheldrĂŒse verfĂŒgen. Denn deren Insulin-Sekretion (Abgabe ins Blut) wird durch Sulfonylharnstoffe stimuliert. Meist funktioniert dies aber nur eine kurze Zeit. Denn durch die Stimulierung der Beta-Zellen kann es zu einer Überbelastung und damit zum Verlust derselben kommen.

Sind keine funktionstĂŒchtigen Beta-Zellen mehr vorhanden oder ist deren Anzahl nicht ausreichend groß, kann keine zufriedenstellende Therapie erfolgen. Der Versuch aber kostet sinnlos Zeit. Zeit, die viele diabetische Patienten nicht mehr haben...

Weiterhin ist auch unter Sulfonylharnstoffen ein engmaschiges Homemonitoring erforderlich, denn auch hier kann es zu tiefen Blutzuckerwerten oder gar zur HypoglykĂ€mie kommen - ebenso wie zu Ketoazidosen, Neuropathien etc. Wer jedoch nicht spritzen möchte, wird auch vor dem Hometmonitoring zurĂŒckschrecken. Kontrollen in wöchentlichen Intervallen beim Tierarzt sind dann unabdingbar - fĂŒhren aufgrund der Aufregung jedoch zu verfĂ€lscht hohen Werten und können eine spĂ€tere HypoglykĂ€mie weder verhindern noch vorhersehen.

Alles in allem ist diese Therapie fĂŒr den Patienten mit zusĂ€tzlichen Risiken behaftet, denn gerade beim Diabetes kommt es auf eine schnellstmögliche Therapie an. Auch die Remissionsrate ist am höchsten bei Patienten, die möglichst frĂŒh mit einer effizienten Therapie begonnen haben.

Deshalb werden orale Antidiabetika in der Tiermedizin eher als "Notanker" fĂŒr beratungsresistente Tierhalter angesehen. Ich zitiere hierzu aus „Innere Medizin der Kleintiere“ von Nelson u. Couto vom Elsevier-Verlag:

"(So) ...besteht der primĂ€re Nutzen der Sulfonylharnstoffe darin, dass sie eine alternative, angenehme Option (Tabletten statt Injektion) fĂŒr Tierhalter darstellen, die zunĂ€chst keine Insulininjektion vornehmen wollen und ĂŒber eine Euthanasie nachdenken. WĂ€hrend der folgenden Wochen Ă€ndern zahlreiche dieser Tierhalter ihre Meinung und sind bereit, eine Therapie mit Insulininjektionen zu versuchen, wenn Sulfonylharnstoffe keinen Erfolg zeigen."

Verzichten Sie im Interesse Ihrer Katze auf Experimente mit oralen Antidiabetika (Tabletten). Zögern Sie bitte nicht und verabreichen Sie baldmöglichst die fĂŒr sie lebensnotwendigen Insulininjektionen!

Letzte Änderung 16.10.2016

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