Was ist Insulin, wozu wird es benötigt?
Welches Insulin gibt es?
Wozu werden die verschiedenen Insulin-Arten eingesetzt?
Ist Caninsulin für meine Katze geeignet?
ProZinc - Ein Insulin speziell für Katzen?
Warum wird Katzen immer Caninsulin oder ProZink verschrieben?
Welches Insulin ist für Katzen am besten geeignet?
Wie wird Insulin gemessen?
Mit welchen Dosierungen wird gearbeitet?
Welche Hilfsmittel und Tricks gibt es, um genauer dosieren zu können?
Wie sollte Insulin gelagert werden?
Darf man Insulin verdünnen?




Was ist Insulin, wozu wird es benötigt?

Wenn ein Organismus Nahrung aufnimmt, gelangen die Kohlenhydrate vom Darm ins Blut. Dieses ist das Transportmedium, welches zur Verteilung der verschiedensten Stoffe dient. Im Blut kann jedoch keine Energie aus Kohlenhydraten gewonnen werden - hier kommt das Insulin ins Spiel:.
Insulin ist ein Protein, das von den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse produziert wird. Von da gelangt es ebenfalls ins Blut, mit dem es sich im ganzen Körper verteilt. Denn um wirksam zu werden, muss das Insulin jede einzelne Zelle im Körper erreichen - selbst die letzte Zelle im kleinen Zeh.
Dort angekommen, dockt es an der äußeren Membran (Haut) der Zellen an spezielle Insulinrezeptoren an. Stellen Sie sich das Insulin wie einen Schlüssel vor, der genau ins Schloss der Zelle passt und diese öffnet. Erst wenn der Schlüssel steckt, das Insulin also am Rezeptor angedockt hat, ist die Zelle in der Lage, Kohlenhydrate/Glukose aus dem Blut aufzunehmen und im Inneren der Zelle in Energie (ATP - den körpereigenen "Treibstoff") umzuwandeln.
Ist beim Diabetes mellitus nicht genügend Insulin vorhanden, stauen sich die Kohlenhydrate im Blut an. Der Blutzucker steigt und der Patient fühlt sich schwach und müde, da die Zellen mit Energie unterversorgt bleiben. Jeder unbehandelte oder schlecht eingestellte Diabetiker macht somit eine unfreiwillige Diät, was auch den typischen diabetischen Heißhunger erklärt.
Sammeln sich zu viel Kohlenhydrate (Gukose) im Blut, versucht der Körper diese auf anderem Wege zu "entsorgen". Glukose wird ab einem Blutzuckerwert von ca. 200 mg/dl verstärkt über den Urin ausgeschieden. Diesen Umstand bemerkten auch schon die alten Griechen, denn "Diabetes mellitus" bedeutet übersetzt nichts anderes als "süßer Ausfluss".

Insulin ist der "Schlüssel", der jede einzelne Körperzelle für die Kohlenhydrate aus dem Blut öffnet. Nur im Inneren der Zellen kann aus Kohlenhydraten Energie gewonnen werden. Ohne Insulin findet keine Energiegewinnung statt! Der Patient fühlt sich schwach und verliert trotz andauerndem Heißhunger und eine gesteigerten Nahrungsaufnahme rasant an Körpergewicht. Ein unbehandelter Diabetes führt zum Tod durch Verhungern - egal wie viel Nahrung der Patient zu sich nimmt.



Welches Insulin gibt es?

Der Markt bietet heute eine Fülle an verschieden wirksamen Insulin für die Humanmedizin. Sie unterscheiden sich vor allem in der Wirkungsdauer und -stärke. So gibt es Insulin, welches beim Menschen ca. 24 bis 28 Stunden wirkt (langwirksam) und sehr flache Tageskurven erzeugt. Daneben gibt es mittellang wirkendes (intermediär bzw. Verzögerungs-Insulin) und so genanntes "Alt-Insulin", welches beim Menschen nur ca. fünf bis sieben Stunden wirkt und dabei eine tiefe V-förmige Kurve hinterlässt.

Langwirksames Insulin mit flacher Tageskurve. Alt-Insulin - wirkt sehr kurz, aber sehr stark und ist deshalb nicht für die Diabeteseinstellung geeignet.

Leider lässt sich die Wirkungsdauer vom Menschen nicht einfach auf die Katze adaptieren, denn der Stoffwechsel der Katze ist bedeutend schneller. So wirkt bei ihr auch Langzeit-Insulin in der Regel nur 12 Stunden, während Alt-Insulin oft schon nach 3 Stunden verbraucht ist.

Die Spritze mit der roten Kappe ist deutlich voluminöser. Sie gehört zum 40er Insulin.
Die Spritze mit der orangen Kappe wird für 100er Insulin genutzt.

Daneben gibt es verschiedene Stärken von Insulin, z.B. 100er Insulin (z.B. Levemir® und Lantus®) und 40er (Caninsulin® und ProZinc®). 100er Insulin ist dabei 2,5 mal so stark wie ein 40er Insulin. Dies ist vor allem bei der Auswahl der richtigen Spritzenart (Siehe hierzu auch: Welche Spritzen passen zum Insulin?) von Bedeutung.

Weiterhin kann man Insulin nach den verschiedenen Tierarten einteilen. Insulin besteht als Protein aus einer bestimmten tierartspezifisch leicht unterschiedlichen Abfolge von Aminosäuren. Rinder-Insulin ähnelt in der Aminosäurenstruktur sehr dem Insulin der Katze und ist deshalb für Katzen gut verträglich. Leider wurde Rinderinsulin in Deutschland wegen BSE vom Markt genommen.

Bei den so genannten Insulinanaloga, welche biotechnisch erzeugt werden, wurden bestimmte Aminosäuren in der Reihenfolge oder Anzahl modifiziert: So ließen sich Nachteile kompensieren, welche sich durch die periphere, subkutane Gabe (Gabe von außen durch die Haut) einstellten. Gerade Langzeit-Insulinanaloga haben sich bei Katzen sehr gut bewährt, vor allem Insulindetemir und Insulinglargin, die in Deutschland unter dem Handelsnamen "Levemir" und "Lantus" zu beziehen sind. Da die Handelsnamen beim Anwender bekannter sind, werden sie auf dieser Internetseite bevorzugt benutzt.

Neben der Fülle von Insulinpräparaten für die Humanmedizin gibt es derzeit nur zwei Insulinpräparate, welche für die Tiermedizin zugelassen wurden: Caninsulin und ProZinc.

Insulin unterscheidet sich nach:



Wozu werden die verschiedenen Insulin-Arten eingesetzt?

Langzeit-Insulin dient in der Humanmedizin vor allem zur Basisversorgung des Patienten. I.d.R. wird es mit intermediär (mittelfristig) wirksamen oder Alt-Insulin (kurzwirksam) kombiniert. So ist es möglich, z.B. Glukosespitzen nach dem Essen, auszugleichen.

In der Tiermedizin dient Langzeit-Insulin ebenfalls zur Basisversorgung. Auf eine Kombination mit anderem Insulin wird dabei verzichtet. Die im Vergleich zum Menschen eher kleine Nahrungsmenge, deren glykämischer Index darüber hinaus deutlich geringer ist, macht dies bei Katzen nicht erforderlich. Besonders Levemir und Lantus, zwei Insulinanaloga aus der Humanmedizin, haben sich in der Katzendiabetologie bewährt.

Alt-Insulin spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung lebensgefährlicher Ketoazidosen.

Wichtig: Für die tägliche Einstellung der Katze ist Alt-Insulin aufgrund der viel zu kurzen und starken Wirkung nicht geeignet.


Ist Caninsulin für meine Katze geeignet?

Caninsulin war das erste für Tiere zugelassene Insulin. Wie der Name schon verrät, wurde es ursprünglich für Hunde konzipiert. "Canis" ist das lateinische Wort für "Hund". Caninsulin ist ein Schweineinsulin, denn Hunde- und Schweineinsulin ähneln sich in der Abfolge der Aminosäuren. Erst später ließ der Hersteller Caninsulin auch für Katzen zu.

Caninsulin in der Durchstechflasche - neben ProZinc derzeit die einzigen für Tiere zugelassene Insulinpräparate.

Katzen sind jedoch keine kleinen Hunde. Sie sind vor allen Dingen auf Proteine im Futter spezialisiert und können diese bei Bedarf selbst in Kohlenhydrate umwandeln. Das können Hunde im Vergleich dazu nur in sehr geringen Mengen.

Weiterhin haben Katzen ein anderes Essverhalten. Während ein erkrankter Hund zweimal täglich eine große Mahlzeit bekommen sollte, möchte die Katze am liebsten stündlich einmal kurz am Futternapf vorbei schauen und eine kleine Portion naschen. Denn die natürliche Beute einer Katze besteht aus kleinen Tieren, von denen sie mehrere über den Tag verteilt verspeist. Zieht der Wolf dagegen mit seinem Rudel los, macht er große Beute - oft nur einmal am Tag - und nimmt davon dann auch eine große Menge Nahrung auf, ehe das Rudel weiterzieht, der nächsten Beute entgegen. Dem Essverhalten des Hundes Rechnung tragend, besteht Caninsulin zu 30 % aus einem schneller wirkenden Insulin (Semilente-Insulin), dessen Kurve eher der des Altinsulins ähnelt, also kurz und stark blutzuckersenkend wirkt. Die große Nahrungsmenge mit dem erhöhten Kohlenhydratgehalt kann somit schnell verarbeitet werden. Die Hauptwirkung vom Caninsulin findet vor allem in den ersten vier Stunden nach der Injektion statt. Große Mengen an Kohlenhydraten werden dann schnellstmöglich aus dem Blut in die Zelle zu transportieren. Nimmt die Katze dagegen eine entsprechend kleinere Nahrungsmenge mit niedrigerem Kohlenhydratgehalt auf, führt dies meistens zu einem rapiden Blutzuckerabfall.

Das Ergebnis bei Katzen unter Caninsulin sind deshalb häufig nicht die erstrebenswerten "flachen Suppenteller-Kurven", sondern Kurven, die eher einer "hohen Suppenschüssel" ähneln.


Wirkungsweise von Caninsulin bei Katzen. Erstrebenswerte Blutzuckerkurve.

Die Ausgangswerte liegen häufig zwischen 400 oder 500 mg/dl - der Nadir (tiefster Wert) dagegen - dosisabhängig - bei 100 mg/dl oder noch darunter. Derartige Blutzuckerschwankungen innerhalb weniger Stunden sind jedoch sehr belastend für den Organismus und die Psyche des Patienten. Menschliche Diabetespatienten berichten von Übelkeit und Schwindelgefühlen, die sich bei vergleichbaren Blutzuckerspiegelverläufen mit Heißhungerattacken und große körperlicher Schwäche abwechseln. Deshalb sollten solche steilen Kurven nach Möglichkeit vermieden werden. Meist ist hierzu die Umstellung auf ein anderes Insulin nötig.
Darüber hinaus hält die Wirkung von Caninsulin nur ca. 8 Stunden an. Die restliche Zeit bis zur nächsten Injektion verbringt der Patient mit hohen Blutzuckerwerten, die auf Dauer zu Diabetes-Folgeschäden wie Nierenerkrankungen, Neuropathie etc. führen.

Auch der Hersteller geht von einem solchen Blutzuckerverlauf aus, bezeichnet ihn jedoch als "Ideale Blutglukosekurve".

"Ideale Kurve" vom Caninsulinhersteller. Quelle (15.10.2016): www.caninsulin.de/blutglukosekurve-katze-mgdl-p.asp.


Im Begleittext ist der Blutzuckerspiegel gesunder Katzen genannt: 46,8-151,3 mg/dl. Diese Werte erreicht der Patient in der Beispielkurve nur für eine Zeitspanne von ca. 1-2 Stunden in einem 12-Stunden-Intervall, als Ziel der Therapie wird korrekterweise eine Blutglukosekurve angegeben, die dem Referenzbereich nahe kommt, also 100-300 mg/dl. Die vom Caninsulin-Hersteller angeführte "Ideale Blutglukosekurve" erfüllt diesen Anspruch jedoch nicht - sie liegt in etwa der Hälfte des Zeitintervalls über 300 mg/dl.

Aufgrund der starken Wirksamkeit von Caninsulin unmittelbar nach der Injektion wurde anfangs empfohlen, die Ernährung der Katze auf zwei Mahlzeiten am Tag zu beschränken - eine für die meisten Katzen völlig unnatürliche Verhaltensweise. Gerade noch unzureichend therapierte Diabetiker, deren Nährstoffausnutzung nur zum Teil erhalten ist, leiden oft unter kaum zu stillendem Heißhunger (Siehe hierzu auch: Welche Symptome zeigt der diabetische Patient?). Untherapierte bzw. schlecht eingestellte Diabeteskatzen können Nahrungsmengen von ca. 800 bis 1000 g und mehr am Tag benötigen. Diese Menge in nur zwei Portionen aufzunehmen ist aufgrund des geringeren Magenvolumens jedoch kaum möglich.

Inzwischen hat der Hersteller seine Futterempfehlungen dahingehend korrigiert, dass die diabetische Katze auch unter Caninsulin ihr gewohntes Futtermanagement beibehalten kann (mehrmals am Tag kleine Portionen). Den Verlauf der als "ideal" bezeichneten tieffallenden Blutzuckerkuve unter Caninsulin beeinflusst das jedoch nicht. Es ist wohl eher als Prävention gegen die unter Caninsulin schneller mögliche Unterzuckerung gedacht.

Caninsulin ist für Katzen nicht sonderlich gut geeignet:



ProZinc - Ein Insulin speziell für Katzen?


Prozinc von Boehringer

ProZinc wurde von der Firma Boehringer nur für Katzen zugelassen - nicht für Hunde. In den USA war bereits seit Jahren ein Protamin-Zink-Insulin (abgekürzt PZI) auf dem Markt. Dabei handelte es sich jedoch um ein bovines Insulin, welches aus Bauchspeicheldrüsen von Rindern hergestellt wurde. Rinderinsulin wird von Katzen gut vertragen, da die Abfolge der Aminosäuren bis auf eine einzige identisch mit dem der Katze ist. Beschaffungsprobleme bei den Rohstoffen führten jedoch zur Einstellung der PZI-Produktion 1. Das von der Firma Boehringer zugelassene ProZinc ist ein gentechnisch hergestelltes, rekombinantes humanes Protamin-Zink-Insulin (abgekürzt PZIR). Es gehört somit zur gleichen Wirkstoffgruppe - zu den PZI - lässt aber den entscheidenden Vorteil für Katzen, den der gleichen Aminosäureabfolge vermissen.

Die Wirkstoffgruppe der PZI kann bereits auf eine lange Geschichte in der Medizin zurückblicken. Schon Ende der 1920er Jahre wurde das erste Protamin-Zink-Insulin in und für die Humanmedizin entwickelt. Bis in die 1960er Jahre waren PZI dort von Bedeutung. Inzwischen wurde Protamin-Zink-Insulin jedoch weitestgehend von den Insulinanaloga (z.B. Levemir und Lantus) verdrängt, da PZI u.a. folgende Nachteile aufweisen:
- kürzere Wirkdauer,
- ein ausgeprägtes dosisabhängiges Wirkmaximum (relativ steile Kurve und damit erhöhte Gefahr von Hypoglykämien),
- die Notwendigkeit des Durchmischens vor der Injektion und damit ungenaue Dosierung, wenn nicht ausreichend durchmischt wird sowie
- die Abhängigkeit der Wirkdauer von der Injektionsstelle 2

In Deutschland ist deshalb schon seit Jahren kein Protamin-Zink-Insulin mehr in der Humanmedizin mehr zugelassen. Europaweit gibt es nur in England noch ein Insulin dieser Wirkstoffgruppe: Hypurin - allerdings hier wieder auf boviner Basis.

Der Patentschutz für neu entwickelte Medikamente läuft i.d.R. 20 Jahre. In dieser Zeit darf kein Mitbewerber Medikamente mit dem gleichen Wirkstoff herstellen, wodurch die hohen Entwicklungskosten für neue Medikamente honoriert werden sollen. Sind diese Rechte bei älteren Arzneimitteln abgelaufen, kann jeder andere Hersteller Medikamente mit diesen Wirkstoffen herstellen und vertreiben - genau so, wie beim ProZinc-Insulin geschehen.

Diese "Neuzulassung" in der Tiermedizin ist im Falle von ProZinc also genaugenommen ein "Recycling" eines in der Humanmedizin als veraltet geltenden Wirkstoffes, der seit Jahrzehnten in Deutschland nicht mehr benutzt wird. Europaweit findet sich gerade noch ein einziges Protaminzinkinsulin für Menschen in England.

Fachinformationen zu ProZinc vom Hersteller finden sich bisher nur recht spärlich (http://www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/veterinary/002634/WC500147211.pdf). Die bisherigen Daten lassen vermuten, dass die Wirkstoffkurve flacher und länger als mit Caninsulin, jedoch steiler und kürzer als bei den humanmedizinischen Insulinanaloga Levemir oder Lantus ausfällt.

Bei ProZinc handelt es sich um ein 40er Insulin, welches dank des Protamin- und Zinkanteils unter der Haut auskristallisiert und deshalb nur verzögert aufgenommen wird, was zu einer verlängerten Wirkdauer führt.

ProZinc wird zweimal täglich subkutan verabreicht. Die vom Hersteller empfohlene Dosis liegt um ein Vielfaches höher, als wir dies empfehlen können. Eine Ursache dürfte in der für diabetische Katzen wenig geeigneten Ernährung mit getreidehaltigen Futtermitteln wie z.B. "Diabetic" von Royal Canin liegen, dessen NfE 16% i. Tr. im Nassfutter und 28,25% i. Tr. im Trockenfutter beträgt. Futtermittel mit einem NfE-Wert unter 10% sind deutlich besser geeignet und werden auch von Prof. Dr. Cynthia Ward der Universität von Georgia (USA) empfohlen (Quelle: Broschüre "Diabetes-Fachkreis" von Boehringer, 21. November 2014, Seite 15, Folie 1.22.)

Für die Zulassung eines neuen Medikaments muss jeder Hersteller dessen Wirksamkeit in Studien beweisen. Bei der Zulassungsstudie für ProZinc handelt sich um eine Feldstudie an 176 Katzen. Das Wort "Feldstudie" bedeutet, dass an dieser Studie verschiedene Praxen oder Kliniken teilgenommen haben, deren Tierärzte verschiedene Erfahrungen und Präferenzen haben. Auf die wichtigste und sicherste Art der Datengewinnung, ein konstantes Homemonitoring durch den Tierhalter, wurde in der Studie (ebenso wie in der Broschüre für Tierhalter) verzichtet. Auch die Kontrolle von Ketonkörpern durch den Tierhalter war nicht Teil der Studie, was wahrscheinlich die relativ hohe Anzahl von Ketoacidosen während der Studie erklären kann. Die Ernährung der Katzen war nicht einheitlich bei einem NfE unter 10%. Die Kontrolle der Probanden erfolgte lediglich durch eine tageweise stationäre Aufnahme an bestimmten Tagen der Studie, also letztlich unter Stress.

Vor diesem Hintergrund besonders auffällig sind die sehr häufigen Hypoglykämien von 13%(!) der Versuchskatzen - nämlich 23 von 176 Katzen - bei denen im deutschen Text wörtlich "MINDESTENS EINMAL EINE" Hypoglykämie festgestellt wurde. Man beachte diese Formulierung. Es können somit auch mehrere Hypoglykämien beim gleichen Probanden festgestellt werden, ohne dass diese die Statistik erhöhen. (Quelle: http://www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/veterinary/002634/WC500147211.pdf)
Auch diese häufigen Unterzuckerungen lassen die von Boehringer empfohlene Startdosierung fragwürdig erscheinen.

Genauer sind die Nebenwirkungen, insbesondere die Zahlen zu den häufigen Unterzuckerungen auf der englischen Seite http://www.drugs.com/vet/prozinc.html aufgelistet und beschrieben. Hier die Übersetzung des englischen Textes:


Feldstudie zur Wirksamkeit:
In einer 45-tägigen Feldstudie zur Wirksamkeit von ProZinc erhielten 176 Katzen ProZinc Insulin. Bei 71 der Katzen traten zu verschiedenen Zeiten innerhalb der Studie Hypoglykämien auf (definiert als ein Blutzuckerwert von <50 mg/dl). Die klinische Zeichen der Hypoglykämien waren in der Regel von milder Natur (beschrieben als träge, apathisch, schwach, zitternd, unkoordinierte, müde, mit glasigen Augen oder benommen). Siebzehn Fälle mussten vom Tierarzt mit oraler Gabe von Glukose, anderen Ergänzungsfuttermitteln oder Futter behandelt werden. In den meisten Fällen traten keine klinischen Symptome auf und sie erhielten keinerlei Behandlung. Eine Katze erlitt eine schwere Hypoglykämie mit Bewusstlosigkeit, Seitenlage, Unterkühlung und Krampfanfällen. Alle Fälle von Hypoglykämie erholten sich mit der entsprechenden Therapie und, wenn nötig, einer Dosisreduktion.

Drei Katzen hatten Reaktionen an der Injektionsstelle, die entweder als klein und punktförmig oder als rote Läsionen, Verletzungen am Hals sowie tastbare subkutane Verdickungen beschrieben wurden. Alle Reaktionen an der Injektionsstelle verschwanden ohne Therapie oder das Absetzen des Insulins wieder.

Vier Katzen entwickelten während der Studie eine diabetische Neuropathie, welche sich durch einen plantigraden Gang äußerte. Drei Katzen begannen die Studie bereits mit plantigradem Gang, bei einer verschwand dieser wieder ab Tag 45. Bei vier Katzen wurden während der Studie eine diabetische Ketoazidose diagnostiziert. Zwei wurden aufgrund des schlechten Ansprechens auf die Behandlung euthanasiert. Fünf weitere Katzen wurden während der Studie euthanasiert, eine davon wegen einer Hypoglykämie. Vier Katzen hatten ProZinc-Insulin für weniger als eine Woche erhalten und wurden wegen Verschlechterung von Begleiterkrankungen euthanasiert.

Folgende zusätzliche klinische Beobachtungen oder Diagnosen wurden bei den Katzen während der Wirksamkeits-Feldstudie festgestellt: Erbrechen, Lethargie, Durchfall, Zystitis/Hämaturie, Infektionen der oberen Atemwege, harter Kot, Haarausfall, Augenausfluss, anormale Stimmgebung, schwarzer Stuhl und schnelle Atmung.


Erweiterte Nutzungsfeldstudie
Katzen, welche die Wirksamkeits-Studie abgeschlossen hatten, wurden in eine erweiterte Feldstudie aufgenommen, deren Ziel in der Gewinnung von Daten zur längeren Nutzung des Insulins bestand. In dieser Studie erhielten 145 Katzen ProZinc-Insulin für bis zu weiteren 136 Tagen.

Die Nebenwirkungen waren ähnlich denen, die bei der 45-Tage-Wirksamkeitsstudie angegeben wurden und sind im folgenden nach abnehmender Häufigkeit aufgeführt: Erbrechen, Hypoglykämie, Anorexie /Appetitlosigkeit, Durchfall, Lethargie, Zystitis / Hämaturie und Schwäche. Zwanzig Katzen hatten Symptome einer Hypoglykämie - sie waren: schwach, träge, unsicher, wackelig, hatten Krampfanfälle, zitterten, oder waren benommen. Die meisten von ihnen wurden vom Besitzer oder Tierarzt mit oraler Gabe von Glukose oder Futter behandelt; andere erhielten intravenös Glukose. Eine Katze erlitt eine schwere Hypoglykämie mit Krampfanfällen und Erblindung. Der Kater erholte sich nach einer unterstützenden Therapie vollständig und beendete die Studie. Alle Fälle von Hypoglykämie erholten sich mit der entsprechenden Therapie und, wenn nötig, einer Dosisreduktion.

Vierzehn Katzen starben oder wurden während der verlängerten Nutzungs-Studie euthanasiert. In zwei Fällen führte die weitere Verwendung von Insulin trotz Appetitlosigkeit und Anzeichen einer Hypoglykämie zum Tod. In einem Fall entschieden die Tierhalter nach einer mutmaßlichen Hypoglykämie die Therapie nicht fortzusetzen. Der Rest wurde aufgrund einer Verschlechterung von Begleiterkrankungen oder des Diabetes mellitus euthanasiert.

Alle Bedingungen für ein erfolgreiches Insulinmanagement (Homemonitoring, NfE-Wert des Futters unter 10%, Ketonmessung etc. pp.) blieben bei dieser Studie außern vor. Im Wesentlichen wird deshalb lediglich festgestellt, dass ProZinc in der Lage ist, den Blutzuckerspiegel einer diabetischen Katze zu senken. Damit befindet sich ProZinc-Insulin in guter Gesellschaft mit so ziemlich allen derzeit auf dem Markt erhältlichen Insulinprodukten.

Darüber hinaus ist eine Remission bei Verwendung von Lantus (Wirkstoff Glargin) wahrscheinlicher als bei Verwendung von PZI oder Lente-Insulin 3. Zwar wurden auch in dieser Studie nach unserer Erfahrung zu hohe Startdosierungen gewählt, die Remissionsrate war jedoch, wie anhand des Wirkprofils zu erwarten, unter dem Insulinanalogon am höchsten.

Nachteilig wirkt sich auch die große Packungseinheit von 10 ml zu je ca. 55,-- Euro aus, also 400 IE pro Flasche. In kleineren Mengen ist ProZinc leider nicht erhältlich. Die Aufbrauchsfrist nach erster Entnahme beträgt 60 Tage. Die diabetische Katze müsste also, um diese Insulinmengen aufzubrauchen, ca. 7 IE pro Tag verbrauchen, was bei einer sinnvollen Ernährung mit Futtermitteln ohne Stärkezusatz und einem NfE unter 10% meist nicht der Fall ist. Bei den Lantus- und Levemir-Penampullen liegen dem Tierhalter 5 Ampullen zu je 3 ml (300 IE) vor. Und auch 3 ml können viele Tierhalter nicht annähernd aufbrauchen. Selbst Caninsulin bietet Durchstechflaschen mit 2,5 ml (100 IE) Inhalt an.

ProZinc Insulin ist nach unserer Erfahrung besser als Caninsilin für Katzen geeignet, kann aber mit den Insulinanaloga Levemir und Lantus aus der Humanmedizin nicht konkurrieren.

Fußnote 1: (Norsworthy, Gary; Lynn, Randy; Cole, Cynthia (2009): Preliminary study of protamine zinc recombinant insulin for the treatment of diabetes mellitus in cats. In: Vet Ther 10 (1-2), S. 24–28 und Nelson, R. W.; Henley, K.; Cole, C. (2009): Field safety and efficacy of protamine zinc recombinant human insulin for treatment of diabetes mellitus in cats. In: J. Vet. Intern. Med. 23 (4), S. 787–793. DOI: 10.1111/j.1939-1676.2009.0342.x.)

Fußnote 2: (Mehnert, H.; Standl, E.; Usadel, K.-H; Häring, H.-U (Hrsg.) (2003): Diabetologie in Klinik und Praxis. 5. Aufl. Stuttgart: Thieme.)

Fußnote 3: (Marshall, R. D.; Rand, J. S.; Morton, J. M. (2009): Treatment of newly diagnosed diabetic cats with glargine insulin improves glycaemic control and results in higher probability of remission than protamine zinc and lente insulins. In: J Feline Med Surg 11 (8), S. 683–691. DOI: 10.1016/j.jfms.2009.05.016.)


Warum wird Katzen immer Caninsulin oder ProZink verschrieben?

Die Gründe dafür sind vielfältig, sie lassen sich jedoch auf ein einziges Argument reduzieren: Weil es der deutsche Gesetzgeber so wünscht.

In der Tiermedizin gibt es bei der Verordnung von Medikamenten eine Besonderheit: Die Kaskadenregelung im Arzneimittelgesetz. Diese besagt, dass der Tierarzt:

Das heißt, solange auch ein Insulin für Katzen oder andere Tiere zugelassen ist, muss der Tierarzt dieses Insulin verschreiben. Ob das Mittel für die betroffene Tierart optimiert ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Hier geht es vielmehr um finanzielle und/oder politische Interessen. Auf diese Weise sollen z. B. die Unternehmen für die kostspielige tiermedizinische Zulassung entschädigt werden.

Erst wenn sich herausstellt, dass der Patient mit dem verschriebenen Medikament keine zufriedenstellende Therapie erhält, darf der Tierarzt das optimale Medikament aus der Humanmedizin verschreiben. Der Gesetzgeber sprich von einem "Therapienotstand". Eine Definition, wie genau ein solcher "Therapienotstand" aussehen muss findet sich im Gesetzestext jedoch nicht. Es liegt somit im persönlichen Ermessen des Tierarztes, ob und wann er eine Umwidmung tätigt.


Welches Insulin ist für Katzen am besten geeignet?

Durch die Ähnlichkeit der Aminosäure-Abfolge und -anzahl ist für Katzen Rinder-Insulin sehr gut geeignet. Leider ist dieses in Deutschland wegen BSE nicht mehr zu beziehen. Zudem ist Rinderinsulin (z.B. vom englischen Markt) sehr teuer und die Lieferung über die Internationale Apotheke dauert manchmal mehrere Wochen.

Es gibt jedoch Alternativen: Die humanmedizinischen Langzeit-Insulinanaloga Insulindetemir (Handelsname Levemir) und Insulinglargin (Handelsname Lantus). Sie sind zudem preiswerter als Rinderinsulin und in vielen Apotheken direkt vorrätig, weil sie häufig in der Humanmedizin eingesetzt werden.

Für Katzen sehr gut geeignet - Levemir und Lantus. Die Glukosekurven unter diesen Insulinanaloga sind viel flacher und mehrere kleine Mahlzeiten pro Tag sind hier nicht nur erwünscht, sondern Pflicht.

Dabei sind auch hier die großen Verkaufseinheiten - Durchstechflaschen á 10 ml - zu meiden, da sie zum größten Anteil nach Ablauf der Haltbarkeit verworfen werden müssen. Zu empfehlen sind Penampullen oder Insulinpens. Wichtig: Letztere werden jedoch nicht als Pen, sondern nur als Insulinbehältnis genutzt. Schraubt man die Spitze ab, kann man die innenliegende Ampulle genau wie eine Durchstechflasche handhaben. Auch sie hat oben einen kleinen Gummi, den man mit der Nadel der Spritze durchsticht um das Insulin herauszuziehen. Pens haben zudem noch den Vorteil, dass sie beim versehentlichen Fallenlassen die innenliegende Ampulle vor Bruch schützen.
Penampullen oder Pens mit Ampulle werden in verschiedenen Packungsgrößen verkauft; z.B. fünf Ampullen á 3 ml. Man kann so nach Ablauf der Haltbarkeit eine neue Ampulle öffnen und muss nicht das ganze Gebinde verwerfen.

Lantus - zwei Packungsgrößen. Die 10 ml Flasche ist für Katzen ungeeignet, da zu groß. Penpatronen - egal ob Levemir oder Lantus - haben einen kleinen Gummi zum Durchstechen für die Entnahme des Insulins mittels Spritze.

Die humanmedizinischen Insulinanaloga Lantus oder Levemir sind für Katzen sehr gut geeignet. Dabei ist es völlig egal, welches Produkt zum Einsatz kommt. Beide Insulinanaloga sind gleichermaßen empfehlenswert, denn sie erzeugen die gwünschten flachen "Suppenteller-Kurven" und führen häufiger zu Remissionen, wie die unten stehende Studie bestätigt. Penampullen eignen sich am besten - meiden Sie 10 ml Durchstechflaschen.


Hier die oben schon erwähnte Studie, die Glargin-Insulin, also Lantus, mit Protaminzink-Insulin und Lente-Insulin vergleicht:
Treatment of Newly Diagnosed Diabetic Cats with Glargine Insulin Improves Glycaemic Control and Results in Higher Probability of Remission than Protamine Zinc and Lente Insulins, R.D. Marshall, BVSc, MACVSc, J.S. Rand, BSVc, DVSc, DACVIM*, J.M. Morton, BVSc, PhD, MACVS, vom 01. August 2009
http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1016/j.jfms.2009.05.016.

Deutsche Übersetzung:
Die Therapie von neu diagnostizierten Diabeteskatzen mit Glargine Insulin verbessert die Blutzuckerkontrolle und resultiert in einer höheren Remissionswahrscheinlichkeit als bei der Behandlung mit Protamin Zinc- und Lente-Insuln
Zusammenfassung
Die Blutzuckerkontrolle und die Wahrscheinlichkeit einer Remission (Verschwinden des Diabetes) wurden bei 24 neu diagnostizierten diabetischen Katzen verglichen, welche zweimal täglich mit Glarmin-, Protamin-Zink (PZI) oder Lente-Insulin behandelt wurden und eine kohlenhydratarme Diät bekamen. Bei den Katzen, die bis zum 17. Tag niedrige bis mittlere Blutzuckerkonzentrationen über 12 Stunden erreich hatten, war die Wahrscheinlichkeit einer Remission höher, unabhängig vom verwendeten Insulin-Typ. Katzen, welche mit Glargin behandelt wurden, hatten bessere Blutzuckerkonzentrationen über 12 STunden als die mit PZI- oder mit Lente-Insulin therapierten Katzen. Alle acht mit Glargin behandelten Katzen erreichten eine Remission. Im Vergleich dazu kamen nur drei PZI- und zwei mit Lente behandelten Katzen in eine Remission. Die Wahrscheinlichkeit der Remission war somit größer für Katzen, die mit Glargin behandelt wurden, als für die Katzen, die PZI- oder Lente Insulin erhielten. Bei neu diagnostizierten diabetischen Katzen bietet die zweimal tägliche Behandlung mit Glargin eine bessere glykämische Kontrolle und eine höhere Remissionswahrscheinlichkeit im Vergleich zur Behandlung mit einer zweimal täglichen PZI- oder Lente-Insulingabe. Eine gute Blutzuckerkontrolle bald nach Diagnose ist mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit auf eine Remission verbunden und sollte das Ziel der Insulin-Therapie sein.

Wie wird Insulin gemessen?

Beim Insulin kommt es, anders als bei vielen anderen Medikamenten, auf eine äußerst(!) exakte Dosierung an. In der Humanmedizin gibt es dazu eine extra Maßeinheit, die viel genauer als die sonst üblichen Milliliter bzw. die dazugehörigen Milliliter-Spritzen ist: Die "Internationale Einheit" abgekürzt "IE".

Eine Einheit eines 100er Insulins entspricht gerade einmal 0,01 ml! Da Katzen viel kleiner als Menschen sind, ist aber auch diese Maßeinheit für sie leider schon wieder viel zu grob. Denn Katzen brauchen oft Dosierungen, die kleiner als 0,25 IE sind, was 0,0025 ml entspräche. Man muss sich deshalb einiger Tricks bedienen, um noch einigermaßen genau für die Katze dosieren zu können (Siehe nächster Punkt).

Spritzen mit ml-Skala sind für eine Diabetestherapie nicht(!) geeignet. Mit den viel zu groben Milliliterspritzen sind nur sehr hohe Dosierungen abmessbar - Dosierungen die für Katzen nicht selten eine Überdosierung bedeuten. Bitte versuchen Sie niemals Insulin in Millilitern abzumessen!

Fein skalierte Insulinspritze (oben) mit angeschweißter Nadel. Tuberkulinspritze (unten) mit grober Skalierung.

Insulin wird ausschließlich in "Internationalen Einheiten" gemessen - egal ob Mensch oder Katze.
Dosierungen in Millilitern sind viel zu ungenau für ein gutes felines Diabetesmanagement.



Mit welchen Dosierungen wird gearbeitet?

Nachfolgend finden Sie alle üblichen Insulindosierungen auf einer 100er Spritze (BD micro Fine + demi, 0,3 ml -die genaueste Spritze, die momentan auf dem Markt ist und aus der Humanmedizin stammt), welche auch für 40er Insulin verwendet werden kann, indem man die gewünschte Menge mit dem Faktor 2,5 multipliziert. 1 IE 40er-Insulin (Caninsulin oder Prozinc) entsprechen auf der 100er-Spritze somit 2,5 IE. Grade mit Caninsulin und Prozinc kann man so sehr genau arbeiten.
Bei 100er-Insulin (Lantus und Levemir) muss nichts umgerechnet werden. 1 EI Insulin enspricht hier 1 IE Füllmenge in der Spritze. Achtung: Bitte machen Sie niemals den Fehler ein 100er-Insulin, also Levemir oder Lantus aufzuziehen! Sie würden die zweieinhalbfache Menge erhalten! Lebensgefährliche Unterzuckerungen könnten die Folge sein.


Eine, zwei oder drei ganze Einheiten abzumessen stellt für die meisten Tierhalter keine große Herausforderung dar. Wichtig ist dabei, dass auch hierbei möglichst genau gearbeitet wird. So sollte man versuchen das Ende des Spritzenkolbens, welches das Insulin berührt, immer in der Mitte des Teilstrichs zu platzieren.
Im Bild wurden 2,0 IE aufgezogen.
Die Spritze rechts enthält 1,0 Einheiten.
Die großen Striche bedeuten ganze Einheiten. Die kleinen Striche markieren halbe Einheiten - also 0,5 IE.
Hine dreiviertel Einheit, bzw. 0,75 IE.
Diese Dosierung lässt sich nur schätzen: Das Ende des Kolbens, welches das Insulin berührt, sollte sich in der Mitte zwischen 0,5er Strich (kleiner Strich) und dem zweiten großen Strich (1,0 IE) befinden.
Eine halbe Einheit, bzw. 0,5 IE.
auch hier wurde das Ende des Kolbens wieder in der Mitte des Teilstrichs plaziert.
Eine viertel Einheit, bzw. 0,25 IE.
Auch hier geht es nicht ohne Schätzung - ein Teilstrich ist nicht vorhanden.
Im Bild wurde 0,1 IE aufgezogen.
Bei dieser Menge kann man nur noch haarfein zwischen Kolben und Nullstrich hindurchschauen.
Diese Menge bezeichnen wir in unserer Beratung als "einen Strich".
Das Ende des Kolbens dockt hier am Nullstrich direkt an. Die Insulinmenge entspricht somit der Stärke des Nullstichts - siehe grüner Kreis.
Diesen winzigen Tropfen Insulin bezeichnen wir als "Touch". Es gibt tatsächlich Patienten, die nur einen "Touch" benötigen...
Und wenn Sie meinen das wäre die kleinste Insulinmenge, liegen Sie falsch: Selbst diese Menge kann man noch in halbe und viertel "Touchs" teilen, falls die Patienten bei einem ganzen "Touch" schon gegenregulieren - was manchmal im Verlauf einer Remission passieren kann.
Wie man eine Touch aufzieht lesen Sie bitte im Text hier unter dem Bild.

Der "Touch" bildet sich allein durch ein Zusammendrücken des Gummistücks am Ende des Kolbens. Hierzu wird als erstes die Insulinspritze zum Teil (ca. Hälfte oder Viertel) mit Insulin gefüllt. Wichtig ist, dass alle Luftblasen gut entfernt werden! Anschließend wird das Insulin wieder vollständig aus der Spritze herausgedrückt. Im dritten Schritt wird der Kolben - noch während sich die Nadel im Insulin befindet - wieder losgelassen. Dabei saugt sich automatisch eine winzige Menge Insulin in die Spritze.

Nimmt man die Nadel nun aus dem Insulin und hält sie senkrecht nach unten, während man den Kolben wieder drückt, bildet sich am Ende der Nadel ein kleines Tröpfchen Insulin, von ca. 1 mm Durchmesser - der bei uns so bezeichnete "Touch". Lässt man den Kolben wieder los, wird dieser sofort wieder in die Spritze gesaugt. So kann man kontrollieren, ob sich auch wirklich ein Touch in der Spritze befindet.

Beim Injizieren des "Touches" sollte man darauf achten, dass man den Kolben so lange gedrückt hält, bis man die Nadel wieder aus der Haut der Katze gezogen hat. Denn sonst würde man auch hier den Touch wieder einsaugen.

Bitte machen Sie sich mit diesen geringen Mengen vertraut. Es gibt viele Patienten, die von Beginn der Therapie an weniger als eine Einheit Insulin (insbesondere Levemir oder Lantus) benötigen. Im Laufe der Therapie sinkt die Insulinmenge oft auch bei Katzen, die anfangs mehr als 1,0 IE benötigten ab. Um dies jedoch überhaupt erfassen zu können, benötigt man ein konstantes Homemonitoring. Bei nicht wenigen Katzen, vor allem Patienten, denen niemals zu viel Insulin verabreicht wurde, kommt es sogar zu einer Remission. Und einige Patienten benötigen niemals mehr als einen "Touch" oder "Strich" - vor allem bei nur geringgradig erhöhtem Fructosaminwert.

Bei Problemen einen "Touch" aufzuziehen, diesen noch zu halbieren oder zu vierteln (was hier nicht beschrieben ist), rufen Sie uns bitte an. Im Rahmen einer Beratung, abgerechnet nach GOT, helfen wir Ihnen gerne weiter.

In der Tiermedizin sind derartig geringe Dosierungen nicht bekannt. Sie werden in keinem Fachbuch beschrieben. Erwarten Sie bitte nicht, dass Ihr Tierarzt weiß, welche Insulinmenge Sie mit einem "Strich" oder "Touch" beschreiben. Selbst Dosierschritte von 0,25 IE sind i.d.R. unbekannt, da meist nur tiermedizinische Spritzen verwendet werden, die eine derart feine Dosierung nicht zulassen. Insulin wird deshalb normalerweise im besten Falle in 0,5er IE-Schritten erhöht oder erniedrigt - nicht selten sogar in ganzen Einheiten, was jedoch in keiner Weise empfehlenswert ist.
Lassen Sie sich bitte nicht von den z.T. winzigen Mengen irritieren. Insulin ist hochkonzentriert und lässt sich mengenmäßig nicht mit anderen Medikamenten (z.B. Antibiotika) vergleichen.



Welche Hilfsmittel und Tricks gibt es, um genauer dosieren zu können?

Erstes und wichtigstes Hilfsmittel ist und bleibt die Lupe. Es gibt inzwischen sogar Spritzen mit integrierter Lupe, diese sind allerdings wesentlich teurer.

Wichtig ist, dass so wenig wie möglich Schwankungen beim Aufziehen und der Verabreichung des Insulins entstehen. So sollte man sich angewöhnen, bei vollen und halben Einheiten immer(!) bis zur Mitte des Teilstrichs zu dosieren. Würde man einmal das obere und beim nächsten Mal das untere Ende als Referenz wählen, entstünden daraus schon wieder Unterschiede von ca. 0,1 IE.

Beim Aufdruck der Skalierung im Siebdruck kommt es produktionsbedingt zu leichten Schwankungen, so dass sich der Nullstrich verschiedener Packungen nicht immer auf der gleichen Höhe befindet. Man sollte deshalb die Skalierungen vergleichen, ehe man eine neue Packung beginnt. Ist sie unterschiedlich, hilft es, sich eine Referenzspritze aufzuziehen und zurückzulegen, um diese zum Vergleich für die nächste Spritze zu nutzen.

Im Netz gibt es zum Teil auch "Anlegekärtchen" mit Insulindosierungen, welche jedoch nicht mehr der tatsächlichen Menge auf der Spritze entsprechen. Wer möchte kann auch damit arbeiten.

Besonders wichtig: Bitte beachten Sie, dass das untere Ende des Spritzenkolbens aus Gummi besteht, der sich etwas zusammendrücken lässt (Siehe: Stichpunkt "Touch") Um eine konstante Insulinmenge zu garantieren, sollte jeder, der eine Insulinspritze verabreicht, darauf achten, auch diesen "Touch" mit zu injizieren. Mit anderen Worten, der Spritzenkolben sollte immer(!) gedrückt bleiben, bis man die Nadel wieder aus der Haut gezogen hat - egal bei welcher Dosierung.



Wie sollte Insulin gelagert werden?

Noch originalverschlossene Flaschen oder Penampullen sollten für die längerfristige Lagerung im Kühlschrank aufbewahrt werden. Sind sie im Gebrauch müssen sie lt. Beipackzettel nicht ständig gekühlt werden, sondern können bei Raumtemperatur, z.B. im Medikamentenschrank aufbewahrt werden.

Da beim felinen Patienten i.d.R. viele kleinere Entnahmen nötig sind, empfehlen wir grundsätzlich die Lagerung im Kühlschrank.


Darf man Insulin verdünnen?

Da die für Katzen zu verabreichenden Mengen an Insulin oft eines kaum noch möglichen "Fein-Tunings" bedürfen, taucht des Öfteren die Frage auf, ob man das Insulin nicht mit NaCl (Infusionsflüssigkeit) oder ähnlichem verdünnen könne. So würden zukünftige Dosierungen genauer und einfacher.

Laut Herstellerangaben ist das leider nicht möglich. So beruht z.B. die lang andauernde Wirkung von Levemir und Lantus auf komplizierten biochemischen Prozessen:

Bei Levemir wurde eine Aminosäure durch eine Fettsäure ersetzt. Das führt dazu, dass es ein subkutanes Depot (Speicher unter der Haut) bildet und nur langsam vom Depot ins Blut übertritt, wo es dann dank der Fettsäure an das Albumin (ein Eiweiß) im Blut bindet.

Lantus dagegen ist pH-Wert-abhängig. Es wird bei der Injektion unter die Haut neutralisiert. Dabei bilden sich winzige Kristalle im Gewebe, die dann ganz langsam wieder aufgelöst werden und ins Blut übergehen.

Eine Verdünnung führt dazu, dass diese biochemischen Prozesse nicht mehr wie gewünscht funktionieren, was eine unberechenbare Wirkung nach sich ziehen kann.

Das gilt im Übrigen auch für Caninsulin und alle anderen Insulin-Arten, welche hier nicht gesondert aufgeführt und erklärt wurden.

Letzte Änderung 05.07.2017.


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