Wann beginnt man mit einer Insulintherapie?
Was brauche ich alles für die Insulintherapie meiner Katze?
Wie viel Insulin braucht meine Katze?
Was ist die richtige Startdosierung?
Was versteht man unter Glukosetoxizität?
Wie häufig muss Insulin verabreicht werden?
Wird vor oder nach dem Füttern Insulin verabreicht?
Wie lange dauert die Insulineinstellung zu Hause?
Kann man die Katze stationär über einige Zeit beim Tierarzt einstellen lassen?
Wie sieht die Insulin-Einstellung zu Hause aus?
Wie schnell und oft darf die Insulindosis erhöht oder erniedrigt werden?
Wie werden die gemessenen Blutzuckerwerte richtig interpretiert?
Was ist zu tun, wenn der Blutzuckerwert zur nächsten Insulininjektion zu tief ist? "Hochfüttern"?
Eignet sich der Fructosaminwert zur Verlaufskontrolle?
Wie stelle ich auf ein anderes Insulin um?
Warum werden keine oralen Antidiabetika (Tabletten) verwendet?




Wann beginnt man mit einer Insulintherapie?

Die Insulintherapie sollte sofort nach der Diagnose beginnen. Eine Ausnahme ist ein grenzwertiger bzw. nur ganz leicht erhöhter Fructosaminwert bei Patienten, die bisher überwiegend mit Trockenfutter versorgt wurden. Hier kann eine Futterumstellung auf Naßfutter mit einem NfE-Wert unter 10% (Siehe hierzu Stichpunkt "Futter") für einige Tage ohne Insulintherapie ausprobiert werden. Das Ergebnis zeigt sich i.d.R. schon nach zwei bis drei Tagen.
Für Patienten deren Blutzucker kontinuierlich über 150 mg/dl bleibt, ist eine möglichst sofortige Insulintherapie anzuraten. Hierfür gibt es mehrere Gründe:

Abzuwarten, ob die Werte von allein wieder besser werden oder ob die Futterumstellung nach Wochen vielleicht doch noch anschlägt, kann für einen diabetischen Patienten lebensgefährlich werden! Bitte zögern Sie nicht, die Insulintherapie schnellstmöglich einzuleiten.



Was brauche ich alles für die Insulintherapie meiner Katze?

Folgende Utensilien sind nötig:

Mehr dazu in unserer "Einkaufsliste".

Wie viel Insulin braucht meine Katze?

Leider lässt sich diese Frage nicht nach einem festen Schema (z.B. nach Gewicht, Alter, Höhe des Blutzuckers etc.) beantworten. Das ist auch logisch, denn eine Diabeteserkrankung entsteht nicht von heute auf morgen, sondern ist ein fortschreitender Prozess, bei dem sich die Produktion oder Wirkung des körpereigenen Insulins nach und nach verringert. Auch die Körperfettmasse spielt eine Rolle bei der Therapie. Daneben kommt es zu individuellen Unterschieden im Stoffwechsel. Und last but not least ist die Futtersorte, Qualität und Menge von extremer Bedeutung - um nur einige Faktoren zu nennen, die einen Diabetes beeinflussen. Letztlich sind die Möglichkeiten, die richtige Dosis im Voraus abzuschätzen, sehr begrenzt.

Noch heute stehen in vielen Tierarztpraxen ältere Fachbücher, die als Insulin-Startdosierung 1 IE pro Kilogramm Körpergewicht der Katze 2 x täglich empfehlen. Diese Dosis erscheint unter Berücksichtigung, dass Katzen - im Gegensatz zu Mensch oder Hund - kaum Kohlenhydrate im Futter benötigen, sehr hoch. Beim Menschen spricht man bereits ab 1,0 IE bis 1,3 IE pro Kilogramm Körpergewicht von einer durch Überdosierung verursachten "klinisch relevanten Insulinresistenz".

"Ab einer notwendigen Insulinmenge von 1,0-1,3 IE/kg/d kann von einer Überinsulinisierung gesprochen und vom Vorliegen einer klinisch relevanten Insulinresistenz ausgegangen werden."
(Diabetologie in Klinik und Praxis: Das Referenzwerk für die alltägliche Praxis, Seite 264)

Katzen, die artgerecht (also ohne Trockenfutter, ohne Zucker- und Getreidezusätze im Naßfutter) ernährt werden, haben mit einer solchen Startdosis i.d.R. keine Chance. Stirbt der Patient nicht an einer Hypoglykämie, kann sich schon bald eine Insulinresistenz bilden. Diese entsteht, weil sich der Körper gegen das zu viel verabreichte Insulin wehren muss, denn die Alternative wäre letztlich eine tödliche Unterzuckerung. Gegenregulation und Insulinresistenz sind ein nützlicher Überlebensschutz und keinesfalls krankhaft... und somit auch kein(!) Grund eine Katze zu euthanasieren.
(Siehe: Wie sieht der Verlauf von der ersten Insulindosis bis zur tödlichen Überdosierung aus?)

In neueren Büchern z.B. "Innere Medizin der Kleintiere", (Herausgegeben von Nelson u. Couto, Elsevier-Verlag) wurde die Dosis bereits auf eine Einheit pro Katze - nicht pro Kilogramm Körpergewicht(!) - gesenkt:

"Bei diabetischen Katzen können Probleme in Form einer Hypoglykämie und eines Somogyi-Effektes bereits bei relativ kleinen Dosen Insulin (1 - 2 IE/Injektion) auftreten." (Seite 819, 2. Auflage).

Damit stellt der Autor seine eigene Aussage in Frage. Wenn bei 1 IE schon ein Somogyi-Effekt auftreten kann, sollte man eine geringere Startdosis empfehlen! (Mehr hierzu unter "Fachliteratur").

Man könnte folgende grobe Rechnung eröffnen:
Ein Mensch wiegt durchschnittlich ca. 70 kg.
Die Katze wiegt lt. Statistik ca. 4 kg.
1 IE Insulin entspräche somit einem Viertel des Körpergewichtes der Katze.
Ein Viertel des menschlichen Körpergewichts entsprechen 17,5 IE (17,5 x 4 = 70)
Diabetische Menschen, die weder an anderen Erkrankungen oder an einer Insulinresistenz leiden, benötigen vielfach eine Dosis unter 17,5 IE Insulin. Nicht anders ergeht es diabetischen Katzen, die zudem noch auf die Kohlenhydrate in der Nahrung verzichten können. Deshalb benötigen manche felinen Patienten nur 0,5 IE oder sogar weniger als 0,25 IE - pro Katze, nicht pro Kilogramm!

Übrigens: Je geringer die Dosis, um so wahrscheinlicher ist auch eine Remission.
Wichtig ist bei dieser Rechnung auch die Berücksichtigung anderer Erkrankungen, wie z.B. häufige Harnwegsinfekte. Mehr Information hierzu unter:
Begleiterkrankungen - Harnwegsinfekte

Die individuell passende Insulindosis ist toleranzlos. Eine Katze kann z.B. genau 0,75 IE Insulin benötigen. Erhält sie 1,0 IE, stagnieren die Werte oder steigen in einer Gegenregulation wieder an. Erhält sie dagegen nur 0,5 IE, bleiben die Werte zu hoch, weil die Dosis ungenügend ist.
Das gilt ebenso für Patienten, die nur minimale Insulindosierungen benötigen. Wenn ein "Strich" die ideale Dosierung darstellt, kommt es schon bei Mengen von 0,1 IE zu erhöhten Gegenregulationswerten.



Was ist die richtige Startdosierung?

Folgende Startdosierungen finden sich in der Literatur:

Berücksichtigen sollte man dabei unbedingt, dass sich alle diese Empfehlungen auf Patienten beziehen, die mit ungeeigneten Futtermitteln mit einem NfE über 10% gefüttert wurden - i.d.R. stärke- oder getreidehaltige Markenfutter, wie z.B. Royal Canin "Diabetic" oder Hills "m/d". Da bei diesen Futtermitteln naturgemäß mehr Insulin benötigt wird, (Siehe hierzu auch Welches Futter ist für eine Diabetes-Katze geeignet?) sind alle diese Startdosierungen nach unserer Erfahrung für Patienten, die mit einem kohlenhydratarmen Futter (NfE unter 10%) versorgt werden, zu hoch.

Das gilt genauso für die häufig empfohlene Startdosierung von 0,25 IE pro Kg Körpergewicht für die Insulinanaloga Levemir und Lantus. Empfohlen wurde diese Insulinmenge auch immer wieder von Vertretern der Universitäten, welche bekanntlich sehr industriekonform agieren, um Drittmittel zu sichern.

In unserer Praxis empfehlen wir folgende Startdosierungen bei Lantus und Levemir . Dabei richten wir uns vor allem nach dem letzten gemessenen Blutzuckerwert (zuhause bestimmt - ohne Stresshyperglykämie beim Tierarztbesuch):

Bei Katzen, die vorher bereits große Insulinmengen erhalten haben, kann es nötig sein, die Menge zügig bis auf 1,0 oder 2,0 IE zu erhöhen, um die anfängliche Glukosetoxizität zu eliminieren. "Zügig" heißt jedoch nicht, dass bei jeder Injektion eine höhere Dosis verabreicht wird. Es sollten vor allem bei moderat hohen oder niedrigen Blutzuckerwerten immer ein paar Kurven bzw. Tage abgewartet werden.

Eine Ausnahme bilden hier nur zu hohe Ketonwerte - welche von Beginn der Therapie an mit erfasst werden sollten. Hier sollte u.U. mit einer höheren Dosierung gestartet werden (Siehe: Ketonkörper/Ketoazidose).


Was versteht man unter Glukosetoxizität?

Hohe Blutzuckerwerte unterdrücken die eventuell noch restlich vorhandene Kapazität der Beta-Zellen im Pankreas (Bauchspeicheldrüse). So kommt es, dass es zu Beginn einer Therapie häufig nötig ist, eine höhere Insulinmenge zu verabreichen als im späteren Verlauf.
Dabei ist jedoch Vorsicht geboten, denn Insulinüberdosierungen über einen längeren Zeitraum führen i.d.R. zur Insulinresistenz.


Wie häufig muss Insulin verabreicht werden?

Je kleiner die Tierart, umso schneller ist ihr Stoffwechsel. Deshalb wirkt ein Langzeitinsulin bis zu 28 Stunden beim Menschen, bei Katzen aber nur bis zu ca. 12 Stunden.

Eine zweimalige Insulingabe alle 12 Stunden ist bei diabetischen Katzen deshalb die Norm. Das gilt auch für Langzeitinsulin wie Levemir oder Lantus.

In älterer Literatur ist ab und an die Rede von einer einmaligen Injektion pro Tag. Hier bleibt die Frage offen, wie engmaschig die Werte in solchen Fällen kontrolliert wurden, bzw. welcher qualitative Anspruch an die Einstellung gestellt wurde. Es ist davon auszugehen, dass derartige Einstellungsversuche eher aus einer unzureichenden Blutzuckerkontrolle resultierten oder durch Überdosierung der Eindruck entstand, dass Insulin würde generell ca. 24 Stunden wirken. Bei zu hohen Dosierungen kann der Nadir verspätet auftreten; z.T. erst nach 12 Stunden. Die Kurven sind dann entsprechend steil.

Wir haben bisher noch nie erlebt, dass eine Katze mit einer einmaligen Insulininjektion pro Tag akzeptable Blutzuckerwerte erreichte - es sei denn, sie befand sich gerade auf dem Weg in eine Remission. Hier ist es oft sogar nötig erst nach Tagen erneut Insulin zu verabreichen. Das hat jedoch nichts mit der Wirkungszeit des Insulins zu tun, sondern damit, dass die Bauchspeicheldrüse bei einer sich ankündigenden Remission ihre Arbeit zum Teil wieder ohne Unterstützung von außen erledigt - der Patient letztlich wieder ohne Insulin leben kann.


Wird vor oder nach dem Füttern Insulin verabreicht?

Anders als in der Humanmedizin sollten Katzen generell nach dem Füttern die Insulininjektion erhalten. Ob die Blutzuckermessung vor dem Füttern oder direkt während der Futteraufnahme durchgeführt wird, ist dagegen unerheblich.

Diese Reihenfolge dient der Sicherheit des Patienten. Denn jederzeit kann es auch ohne jegliche Vorzeichen passieren, dass die Nahrung plötzlich verweigert wird. Ist die Insulininjektion bereits verabreicht, kann es aufgrund der fehlenden Kohlenhydratzufuhr durch das Futter zur Unterzuckerung des Patienten kommen. Zwar stellt sich mit etwas Glück statt dessen eine Gegenregulation ein, aber hierfür gibt es keine Garantie.

Erst wenn sicher ist, dass die Katze ihre Futterschale mit gutem Appetit leert, sollte die normale Insulindosis verabreicht werden. "Mäkelt" sie dagegen oder verweigert die Nahrungsaufnahme ganz, muss auch die Insulindosierung dementsprechend reduziert werden. Ist man unsicher über die zu verabreichende Menge und ist die Katze vielleicht sogar die nächsten Stunden ohne Aufsicht, sollte die Insulindosis zusätzlich etwas gesenkt werden. (Auch dieser Rat muss bei zu hohen Ketonkörpern relativiert werden. Hier kann eine Reduktion der Dosis zur Ketoazidose führen.) Bei tieferen Blutzuckerwerten muss auf die Injektion eventuell ganz verzichtet werden, damit eine Hypoglykämie vermieden wird.


Wie lange dauert die Insulineinstellung zu Hause?

Die Einstellung zu Hause richtet sich vor allem danach, ob Sie als Tierhalter bereit sind Homemonitoring durchzuführen. Eine Einstellung nur durch Beobachten der Trinkmenge, des Verhaltens oder eine Messung mittels Urinstick etc. ist völlig unzulänglich, wenn man eine gute Lebensqualität und lange Lebenserwartung des Patienten anstrebt. Solche Methoden dürften eher der Gewissensberuhigung des Tierhalters (Motto: "Ich tue ja etwas!"). als dem Patienten helfen.

Da eine Diabeteserkrankung nicht schlagartig auftritt, sondern einen monatelangen, schleichenden Prozess darstellt, kann die Antwort auf die Einstellungsdauer nicht verallgemeinert werden. Es kommt z.B. darauf an, in welchem Stadium der Diabetes entdeckt wurde. Ist der Fructosaminwert nur leicht erhöht, werden keine erhöhten Ketonkörper gemessen und ist der Patient ansonsten bei gutem Allgemeinbefinden reicht manchmal schon eine Umstellung des Futters auf kohlenhydratarme Sorten aus, um die Katze innerhalb weniger Tage bis Wochen in eine Remission zu führen.

Ist der Diabetes dagegen schon weit fortgeschritten, der Fructosaminwert stark erhöht, die Glukosewerte kaum noch messbar und liegt vielleicht sogar noch eine Ketoazidose vor, ist die Einstellung und Behandlung aller Komplikationen demzufolge aufwendiger und kann Monate in Anspruch nehmen.

Am schwierigsten können Patienten einzustellen sein, die vorher einer Behandlung mit zu hohen Insulindosen unterzogen wurden. Der Körper war hier gezwungen, die Insulinwirkung drastisch zu hemmen, um zu überleben. Oft hat sich inzwischen eine Insulinresistenz eingestellt, die erst im Laufe der Zeit (meist Monate) bei korrekter Dosierung wieder verschwindet.
Auch Patienten, die unter häufig rezidivierenden Harnwegsinfekten leiden, benötigen i.d.R. mehr Zeit für eine gute Einstellung.

Nach unserer Erfahrung rechnen wir durchschnittlich mit ca. einem Vierteljahr bis zu einer befriedigenden Einstellung. Die Betonung liegt hier jedoch auf "durchschnittlich", denn die Therapie jedes Patienten ist absolut individuell.



Kann man die Katze stationär über einige Zeit beim Tierarzt einstellen lassen?

Viele Tierärzte bieten ihrem Kunden an, die Diabeteseinstellung zu übernehmen. Je nach Praxis oder Klinik sollen die Katzen deshalb für zwei Tage bis zwei Wochen stationär aufgenommen werden. Der Tierhalter bekommt bei Abholung der Katze die Insulindosis mitgeteilt, welche er ab nun täglich zu verabreichen hat. Erst in zwei bis vier Wochen werden die Blutzuckerwerte erneut in der Praxis - also unter hohem Stress für den Patienten - kontrolliert. Dieses Vorgehen wird in Fachbüchern noch immer so empfohlen, denn man geht davon aus, dass das Groß der Tierhalter Homemonitoring nicht durchführen will oder kann. Tierhalter aber, die sich überfordert fühlen, wechseln den Tierarzt und finden mit Sicherheit in der Nähe einen Kollegen, der ihren Wünschen entspricht und Homemonitoring für sinnlos erachtet. Für den Tierhalter ist die Einstellung beim Tierarzt somit eine sehr bequeme Lösung - im Hinblick auf das Wohl des Patienten ist dieses Vorgehen jedoch problematisch und wenig erfolgversprechend:

Und: Neben den ungünstigen Umständen in der Praxis ist eine gute Einstellung auch mit viel Erfahrung nicht innerhalb von zwei Tagen oder auch zwei Wochen zu erreichen. (Siehe: Wie lange dauert die Insulineinstellung zu Hause?).
Hierbei muss natürlich auch berücksichtigt werden, was im Einzelfall unter einer "guten Einstellung" verstanden wird. Egal ob Tierhalter oder Tierarzt sind die Erwartungen hier sehr unterschiedlich. Wir streben Blutzuckerwerte von 200 - 250mg/dl vor der Insulininjektion bis zu 80 - 100 mg/dl im Nadir an.

Eine Einstellung unter Praxisbedingungen ist nach unseren Erfahrungen kostspielig aber nicht erfolgversprechend. Der Patient ist dabei tagelang unnötigem Stress ausgesetzt, welcher die Blutzuckerwerte verfälscht, nach oben treibt. Durch Homemonitoring lassen sich zuverlässige und schnellere Ergebnisse erzielen.



Wie sieht die Insulin-Einstellung zu Hause aus?

Hier verabreicht der Tierhalter das Insulin vom ersten Tag an selbst nach einem festen Zeitplan, i.d.R. alle 12 Stunden. Schwankungen bis zu einer halben Stunde, im Ausnahmefall auch einer Stunde, pro Injektion sind tolerierbar. Idealerweise führt er dabei ab der ersten(!) Injektion ein kontinuierliches Homemonitoring durch - nach Möglichkeit Tag und Nacht alle vier Stunden und notiert die gemessenen Werte. Bei Berufstätigen ist Urlaub oder ein Wochenende von Vorteil, die Therapie sollte jedoch so schnell als möglich beginnen.

Lassen Sie sich und Ihrer Katze Zeit sich an den neuen Rhythmus zu gewöhnen. Mit etwas Übung wird das Homemonitoring schell zur Routine. Und gegen anfängliche Ungeduld hilft eine gute Tasse Kaffee oder Tee und viele Streicheleinheiten für den Patienten :-)

Anfangsschwierigkeiten, bei denen die Blutzuckerabnahme noch nicht sicher alle vier Stunden gelingt, sind dabei einzukalkulieren. In jedem Falle sind die so gewonnenen Blutzuckerwerte aussagekräftiger, als die beim Tierarztbesuch oder während einer stationären Einstellung gewonnenen Profile.

Die Insulinmenge bleibt für einige Tage unverändert - sofern keine Gründe wie zu hohe Ketonwerte oder zu tiefe Blutzuckerwerte entgegen sprechen. Der Organismus der Katze benötigt diese Zeit für eine adäquate Reaktion auf die verabreichte Menge. So sieht man nicht selten erst am zweiten oder dritten Tag eine Veränderung der Werte. (Siehe auch: Wie schnell und oft darf die Insulindosis erhöht oder erniedrigt werden?) Auf diese Weise tastet man sich langsam an die für diesen Patienten ideale Dosis heran.

Als Faustregel gilt, je tiefer die Werte sinken, umso länger sollte man bei der gleichen Dosierung bleiben und umso geringer sollten die nachfolgenden Erhöhungen sein.

Auch das Futtermanagement spielt eine große Rolle. Gleich große Mahlzeiten, mit etwa gleicher Zusammensetzung (NfE unter 10%), zur immer gleichen Zeit vereinfachen die Therapie nicht nur, sondern sind bei den meisten Patienten unabdingbar.

Ungeduld ist häufig das größte Problem auf Tierhalterseite bei einer Diabeteseinstellung. Gerade Tierhalter, die Homemonitoring betreiben, sind leicht versucht, die Dosis zu früh zu verändern - auf jeden schlechten Wert sofort mit einer anderen Dosierung zu antworten. Leider beschleunigt das die Einstellung nicht. Ganz im Gegenteil, wertvolle Zeit geht dadurch verloren. Denn meist endet ein solcher Versuch im Werte- und Dosis-Chaos - auch "Insulinhopping" genannt. Schon nach wenigen Injektionen ist die Frage, ob die Dosis nach oben oder unten reguliert werden soll, nicht mehr klar zu beantworten. Als einziger Ausweg bleibt ein Neustart. Nur wenn während der Einstellung schlechtere Werte akzeptiert und zulassen werden, kann aus ihnen die richtigen Schlussfolgerungen (z.B. Überdosierung, ungeeignetes Insulin, falsches Futtermanagement etc.) gezogen werden.



Wie schnell und oft darf die Insulindosis erhöht oder erniedrigt werden?

Insulinerhöhungen sollten nur in kleinen Schritten von 0,25 bis 0,5 IE erfolgen, wobei die jeweilige Dosis immer für einige Tage beibehalten wird - sofern dies möglich ist.
Natürlich ist es z.B. nicht sinnvoll, bei Patienten mit sehr hohen Werten (über 500 mg/dl) eine Woche lang mit sehr niedrigen Dosierungen abzuwarten. Die Gefahr erhöhter Ketonbildung mit nachfolgender Ketoazidose ist jederzeit gegeben. Hier sollte die Erhöhung zügiger vorgenommen werden. Vorsicht allerdings: Zügig heißt nicht, dass bei jeder Spritze um 0,5 IE erhöht werden kann! Derartig schnelle Erhöhungen enden sonst sehr schnell in einer Gegenregulation oder Insulinresistenz (Siehe auch: Wie erkenne ich eine Gegenregulation oder Insulinresistenz? und Meine Katze reagiert nicht auf ihr Insulin. Was kann ich tun?).
Fallen die Blutzuckerwerte unerwartet tief, wäre es natürlich ebenfalls sträflich, weiterhin stur die gleiche Insulindosis zu verabreichen. Hier muss sofort gehandelt, die Dosis reduziert werden - ohne abzuwarten.
Läuft alles korrekt, sollte man immer wenigstens drei bis sechs Insulingaben abwarten, um dem Körper Zeit für eine Reaktion zu geben.

Fallen die Werte dann in tiefere Bereiche, z.B. unter 300 mg/dl, wird die Dosis noch länger konstant beibehalten, z.B. für vier bis sieben Tage. Erhöhungen sind dann nur noch um höchstens 0,25 IE - bei niedrigen Werten sogar noch darunter z.B. in 0,1 IE-Schritten - vorzunehmen.

Eine Ausnahme bilden Patienten, die bereits mit Ketonproblematik vorgestellt werden oder während der Einstellung plötzlich erhöhte Ketonwerte zeigen. Hier kann eine zügige Erhöhung nötig werden. (Siehe hierzu unter: Ketonkörper/Ketoazidose.).

Bei Berufstätigen ist es sinnvoll, die Dosis-Erhöhung - wenn möglich - am Wochenende oder im Urlaub vorzunehmen, damit die Katze die ersten Tage bei eventuellen unerwarteten Schwankungen bzw. sehr tiefen Werten unter Beobachtung steht.

Wir empfehlen eine Reduktion der Insulindosis bei:

Erhöhungen sollten nur in kleinen Schritten von höchstens 0,25 bis 0,5 IE vorgenommen werden. 0,5 IE stellen hierbei schon die Ausnahme für sehr hohe Blutzuckerwerte über 450/500 mg/dl dar. Bei sehr niedrigen Werten (unter 250 mg/dl) sollten die Dosierschritte dagegen noch feiner als 0,25 IE gewählt werden - am besten in 0,1 IE-Schritten.
Erhöhungen in Schritten von 1,0 IE und mehr sind strikt abzulehnen! Zu hoch ist hier die Gefahr, die richtige Dosierung zu überspringen und ganz unbemerkt eine Gegenregulation oder Insulinresistenz zu erzeugen. Nur zum Vergleich: Ein Wechsel von 1 IE auf 2 IE würde beim Menschen der Erhöhung von 17,5 IE auf 35 IE - OHNE Zwischenschritte - entsprechen.
Wichtig: Ausschlaggebend für die Entscheidung, ob die Dosis noch erhöht werden kann, ist nicht der Wert vor der Spritze, sondern der tiefste Wert der Tageskurve (Nadir). Ist dieser bereits bei 100 mg/dl oder darunter, kann jede weitere Insulinerhöhung zur Unterzuckerung des Patienten führen!



Wie werden die gemessenen Blutzuckerwerte richtig interpretiert?

Jede Insulintherapie ist eine neue Herausforderung, denn jeder Patient reagiert ganz individuell. Weder Gewicht, noch Höhe des Fructosaminwertes vor Beginn der Therapie oder Fellfarbe :-) liefern hier vorab einen Eindruck. Damit bleibt der Versuch allgemeingültige Maßstäbe für die Einstellung zu beschreiben lückenhaft. Zu viele innere und äußere Faktoren beeinflussen die täglichen Blutzuckerwerte. Um nur einige zu nennen:

All diese Faktoren sollten erkannt und bei der Interpretation mit einbezogen werden. So kann es z.B. durchaus sein, dass der Patient unter der gleichen Dosierung gänzlich andere Blutzuckerwerte zeigt, als noch vor vier Wochen, weil z.B. inzwischen ein Harnwegsinfekt vorliegt oder sich eine Remission anbahnt. Es ist somit auch nicht verwunderlich, dass eine korrekte Insulineinstellung aus Fachbüchern kaum "erlernbar" ist - zumal die meisten Fachbücher anderen Standards folgen, als in der Humanmedizin üblich. (Siehe hier zu auch: Ein Blick in die Fachliteratur zum Thema "Feliner Diabetes".) Und auch die neueren Werke widmen sich der Interpretation der Blutzuckerwerte kaum. Bei der Lektüre entsteht i.d.R. der Eindruck, dass hohe Blutzuckerwerte auch immer(!) eine höhere Insulindosierung nach sich ziehen sollten. Zu hohe Blutzuckerwerte werden häufig mit Injektionsfehlern durch den Tierhalter erklärt (daneben gestochen) oder aber damit, dass angeblich viele Katzen von Natur aus insulinresistent sind. Gegenregulationsmechanismen sind in der Tiermedizin noch weitgehend unbekannt! Eine Reduktion der Dosis wird in der Praxis deshalb nur seltenst in Erwägung gezogen - das falsche Vorurteil der "schwer einstellbaren Katze" ist allerorts zu finden.

Auch uns ist es unmöglich, hier alle Eventualitäten über die oben genannten Pauschal-Punkte hinaus abzudecken. Gegenregulationen lassen sich oft nur mit viel Erfahrung von einem Zuwenig an Insulin abgrenzen. Wenn wir Ihnen bei der Insulineinstellung Ihrer Katze behilflich sein dürfen, besprechen wir jede einzelne auftretende Situation zeitnah und ausführlich und begründen Ihnen unsere Entscheidung. So werden Sie in Kürze lernen, mit Hilfe des Wissens um die psychologischen Abläufe beim Diabetes, selbst die richtigen Entscheidungen zu fällen. Wir möchten, dass auch Sie zum Experten werden :-)
Am wichtigsten für eine gute und schnelle Einstellung ist und bleibt somit die persönliche Erfahrung des Tierhalters und des Tierarztes. Diabetologie verlangt ein umfangreiches Fachgebietswissen und viel Fingerspitzengefühl für den jeweiligen Patienten. Nicht umsonst wurde in der Humanmedizin ein Spezialist für nur EINE Erkrankung bei nur EINER (Tier)art etabliert: Der Diabetologe.

Das regelmäßige Erfassen der Blutzuckerwerte ist der entscheidende erste Schritt auf dem Weg zu einer guten Einstellung. Aber die gemessenen Werte richtig zu interpretieren, ist die eigentliche Herausforderung bei einer adäquaten Diabetestherapie.
Wenn Sie es wünschen, helfen wir Ihnen dabei.



Was ist zu tun, wenn der Blutzuckerwert zur nächsten Insulininjektion zu tief ist? "Hochfüttern"?

Wir lange eine Insulininjektion wirkt, richtet sich nach der Höhe der Dosis. Eine geringe Menge von z.B. 0,1 IE hält weniger lang an, wie z.B. 1 IE. (Siehe hierzu auch: Wann ist bei meinem Insulin der Nadir (tiefster Punkt der Tageskurve)?)
Wenn Sie also einen ständigen Abfall der Werte über 12 Stunden beobachten können, ist die Dosis für diesen Patienten wahrscheinlich zu hoch gewählt. Der Nadir tritt deshalb erst nach 12 Stunden auf. In einem solchen Fall, wäre es unsinnig, die zu tiefen Blutzuckerwerte mit zuckerhaltigem Futter zu erhöhen und nach einiger Zeit erneut die gleiche Insulindosis zu verabreichen. Dieser Vorgang, in Laienforen auch als "Hochfüttern" umschrieben, ist einer Einstellung nicht dienlich - ganz im Gegenteil, die Erzeugung einer Insulinresistenz durch Überinsulinisierung wird so wahrscheinlicher.

Statt dessen sollte der Anstieg der Blutzuckerwerte auf einen für diesen Patienten "normalen" Pre-Wert (also ein Wert, bei dem Sie auch sonst gefahrlos spritzen konnten), abgewartet werden und dann eine verringerte Dosis (meist 0,25 IE weniger) verabreicht werden. Wiederholen sich die tiefen Werte auch unter der niedrigeren Dosis, muss erneut reduziert werden. Natürlich verschieben sich so die nächsten Injektionszeiten um die aufgeschobenen Stunden. D. h. wenn Sie z.B. normalerweise um 18 Uhr Insulin verabreichen, nun aber bis 22 Uhr gewartet haben, ehe der Blutzucker wieder hoch genug für eine Injektion war, fällt auch die nächste Insulingabe am morgen auf 10 Uhr. Mann kann im Laufe der nächsten Tage die Zeit langsam wieder nach vorn verlagern, bis zum ursprünglich gewünschten Zeitpunkt. Die Differenz sollte pro Tag jedoch nicht mehr als eine Stunde betragen.

Bei Berufstätigen funktioniert diese Vorgehensweise leider nicht. Hier müssen die Zeiten meist exakt eingehalten werden. Somit kommt es auf den aktuell gemessenen Blutzucker an - die nächste Insulindosis muss dementsprechend reduziert werden oder ganz ausfallen. Spritzen Sie bitte niemals bei Blutzuckerwerten unter 150 mg/dl! Bis 200 mg/dl sollte die Dosis - je nach Menge - z.T. deutlich reduziert werden. Wenn Sie unsicher sind bzw. der gemessene aktuelle Wert unter 150 mg/dl liegt, ist es letztlich besser, zu wenig Insulin zu verabreichen oder eine Injektion ganz ausfallen zu lassen, als eine eventuelle Unterzuckerung zu riskieren. Das gilt um so mehr, wenn die niedrigen Werte morgens auftreten, wenn Sie das Haus verlassen müssen und niemand den Blutzucker kontrollieren kann oder eine Unterzuckerung bemerken würde. Auch in diesem Falle sollte in der Folge die ursprüngliche Insulindosis verringert werden.

Bei zu tiefen Pre-Werten sollte nicht mittels ungeeignetem Futter an überhöhten Dosierungen festgehalten werden. Reduzieren Sie statt dessen die Insulindosis. Oder haben Sie schon einmal von einem Humandiabetiker gehört, der vor der nächsten Injektion erst einmal eine Tafel Schokolade essen muss, damit er auch die nächste überhöhte Dosis gefahrlos überstehen kann?



Eignet sich der Fructosaminwert zur Verlaufskontrolle?

Der Fructosamin zeigt die Menge der glykierten Serumproteine im Blut an. D.h. hier wird gemessen, wie viele Kohlenhydrate chemische Verbindungen mit bestimmten Blutproteinen (z.B. Albumin) eingegangen sind. Ist der Blutzucker sehr hoch, finden sich viele derartige Verbindungen/Fructosamine im Blut. Ist er niedrig, können nur wenige Plasmaproteine reagieren und die Anzahl der Fructsamine bleibt gering.

Der Fructosaminwert ist vor allem bei der Diagnose der Erkrankung wichtig, da sich nur mit seiner Hilfe zwischen einer Stresshyperglykämie und einem insulinpflichtigen Diabetes unterscheiden lässt. Auch kann am Fructosaminwert abgeschätzt werden, wie weit die Diabeteserkrankung bereits fortgeschritten ist.

Der Fructosaminwert berücksichtigt die Blutzuckerkonzentration der letzten 1 bis 3 Wochen. Er berücksichtigt dabei jedoch nicht den Grund der Blutzuckererhöhung. Da dieser nicht nur bei einer zu geringen Inslindosierung ansteigt, sondern auch (und das oft sogar viel drastischer), wenn zuviel Insulin verabreicht wird (Stichwort Gegenregulation), ist mittels Fructosaminwert leider nicht zu unterscheiden, ob die Insulindosis erhöht oder gesenkt werden sollte.

Für die Verlaufskontrolle einer Insulineinstellung hat der Fructosaminwert deshalb nur eine sehr eingeschränkter Aussagekraft. Bedeutungslos wird er für Tierhalter, die selbst ein regelmäßiges Homemonitoring durchführen.

Eine Einstellung allein über den Fructosaminwert erzielen zu wollen, ist daher wenig empfehlenswert. Leider ist dieses Vorgehen in der Tiermedizin noch immer stark verbreitet, vor allem wenn kein Homemonitoring empfohlen oder durchgeführt wird.

Hierbei wird nach einem einfachen Schema verfahren, welches z.B. in einer Broschüre von Royal Canin, die als Leitfaden für Tierärzte dienen soll, wiedergegeben wird (Grafik von Seite 12)

Ernährung von Katzen und Hunden mit Diabetes mellitus, Wissenschafltiches Dossier

Die Aussage in der Grafik ist leider unvollständig und dadurch gefährlich für die Patienten! Denn sie berücksichtigt nicht, dass der Fructosaminwert durch Überdosierung ebenfalls ansteigen kann. Auch die Kombination mit dem punktuell, vielleicht noch in der Praxis unter Stress gemessenem Blutzuckerwert hat keine höhere Aussagekraft. Denn der Blutzucker kann - vor allem bei Insulinüberdosierung - bekanntlich im Laufe einer einzigen Kurve sehr stark schwanken und Stresswerte unter Praxisbedingungen sind ebenfalls nicht aussagekräftig .

Auch wenn es sowohl Tierhalter wie auch Tierärzte bei der Einstellung am liebsten übersichtlich einfach hätten, ist die oben wiedergegebene Tabelle von Royal Canin bzw. ein Vorgehen nach dieser keinesfalls empfehlenswert. Ein Diabetes ist eine komplexe Erkrankung, die sich in Ihrer Vielfalt leider nicht in vier Spalten pressen lässt.


Wie stelle ich auf ein anderes Insulin um?

Scheitert die Therapie mit einem Insulinmedikament, besteht jederzeit die Möglichkeit auf ein anderes Präparat umzustellen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass jedes Insulin ein eigenes Wirkungsprofil aufweist, welches NICHT mit anderen Präparaten verglichen werden darf. Es ist somit keineswegs ratsam, die bis dato erfolgreichste Dosis sorglos für das neue Insulin zu übernehmen und auf ein ähnlich gutes Ergebnis zu hoffen.

Die Erfahrung in unserer Praxis zeigt, dass gerade beim Umstieg von Caninsulin oder ProZinc auf ein Insulinanalogon (Lantus oder Levemir) oft viel geringere Dosierungen ausreichend sind. Es ist keine Seltenheit, dass Patienten die z.B. 2 IE eines tiermedizinisch zugelassenen Insulinpräparates nur noch 0,25 oder 0,5 IE der Insulinanaloga benötigen.

Jeder Insulinwechsel ist gleichbedeutend mit einem neuen Therapiebeginn. Die Dosis sollte erneut mit einer niedrigen Startdosis (Was ist die richtige Startdosierung?) begonnen werden - ohne Zwischenschritte und ohne eine Insulingabe ausfallen zu lassen. Ein Aussetzen des Insulins für einen Tag oder auch nur für 12 Stunden ist weder nötig noch ratsam. Setzt man das Insulin für einen bestimmten Zeitraum gänzlich aus, erhöht sich damit auch die Gefahr einer Ketoazidose.
Bei jeder Dosisreduktion und vor allem beim Neustart mit einem anderen Insulinpräparat ist eine kontinuierliche Ketonwertkontrolle - anfangs mehrmals täglich! Steigen die Ketonwerte unter der geringeren Insulindosis an, muss die Insulindosis dementsprechend erhöht werden.


Für Katzen am besten geeignet: Lantus und Levemir. Beide Insulinarten sind gleichwertig gut.

Warum werden keine oralen Antidiabetika (Tabletten) verwendet?

Von allen verfügbaren oralen Antidiabetika für den Menschen zeigte letztlich nur eine Klasse einen zweifelhaften Erfolg bei felinen Patienten; die Sulfonylharnstoffe. Hierzu muss die Katze aber noch über eine ausreichende Anzahl von funktionstüchtigen Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse verfügen. Es muss also ein Diabetes Typ 2 vorliegen. Denn die Insulin-Sekretion dieser noch arbeitenden Beta-Zellen wird durch Sulfonylharnstoffe stimuliert. Bislang gibt es keinen Test, der dies bei Diagnosestellung differenzieren kann. Leider funktioniert auch eine Therapie mit Sulfonylharnstoffen nur für eine begrenzte Zeit. In der Folge kommt es häufig zu einer Überlastung der Beta-Zellen und damit zum Verlust derselben. Außerdem wurde in Studien eine vermehrte Amyloidablagerung innerhalb des Pankreas festgestellt. Die Beta-Zellen werden hiervon wahrscheinlich zunehmend geschädigt, d.h. der Diabetes kann sich durch diese Therapie u.U. noch verschlechtern.

Sind keine funktionstüchtigen Beta-Zellen mehr vorhanden oder ist deren Anzahl nicht ausreichend groß, kann keine zufriedenstellende Therapie erfolgen. Der Versuch einer solchen zweifelhaften Therapie aber kostet unnötige Zeit - Zeit, die viele diabetische Patienten nicht mehr haben...

Weiterhin ist auch unter Sulfonylharnstoffen eine engmaschige Homemonitoringkontrolle erforderlich, denn auch hier kann es zu tiefen Blutzuckerwerten kommen - ebenso wie durch unzureichende Wirkung zu Ketoazidosen, Neuropathien etc. Katzenhalter, die nicht spritzen möchten, werden jedoch auch vor dem Homemonitoring zurückschrecken. Kontrollen ein bis mehrmals wöchentlich beim Tierarzt sind in diesen Fällen unabdingbar - reichen aber in keinster Weise aus.

Letztlich wurden Nebenwirkungen wie erhöhte Leberwerte, Erbrechen und Übelkeit beschrieben.

Alles in allem ist diese Therapie für den Patienten ungeeignet, denn gerade beim Diabetes kommt es auf eine schnellstmögliche und möglichst vielversprechende Therapie an. Auch die Remissionsrate ist am höchsten bei Patienten, die möglichst früh mit einer effizienten Therapie begonnen haben.

Deshalb werden orale Antidiabetika in der Tiermedizin eher als "Notanker" für beratungsresistente Tierhalter angesehen. Ich zitiere hierzu aus „Innere Medizin der Kleintiere“ von Nelson u. Couto vom Elsevier-Verlag:

"(So) ...besteht der primäre Nutzen der Sulfonylharnstoffe darin, dass sie eine alternative, angenehme Option (Tabletten statt Injektion) für Tierhalter darstellen, die zunächst keine Insulininjektion vornehmen wollen und über eine Euthanasie nachdenken. Während der folgenden Wochen ändern zahlreiche dieser Tierhalter ihre Meinung und sind bereit, eine Therapie mit Insulininjektionen zu versuchen, wenn Sulfonylharnstoffe keinen Erfolg zeigen."

Verschwenden Sie keine Zeit mit einer ungeeigneten, oralen Therapie (Tabletten), die die insulinbildenden Zellen u.U. noch zusätzlich schädigen kann. Zögern Sie bitte nicht. Helfen Sie Ihrer Katze sofort mit den für sie lebensnotwendigen Insulininjektionen!

Letzte Änderung 10.01.2017


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